INSEL NEUWERK

Dort, wo die Wellen der Elbe und der Nordsee gegeneinander rollen, liegt Neuwerk mit den flachen Ufern, dem hohen Leuchtturm und den einfachen Häusern der nur wenigen Bewohner. Dieses unterhalten karge Verbindung mit dem Festland oder der Felseninsel Helgoland, und noch seltener setzen Fremde ihren Fuß auf diesen öden Strand.

Vor tausend Jahren - so erzählt mancher der märchenkundigen Fischer - war das anders. Das Eiland erhob sich von allen Seiten stolz und kühn aus der wogenden Flut empor; es war mit üppigen Gärten und schattigen Hainen bedeckt; goldene Früchte hingen an silbernen Ästen, und aus dem smaragdenen Boden blitzte es auf wie Sonne, Mond und Sterne. Ein balsamischer Duft strömte von dem lebensglühenden Strand auf das offene Meer hinaus.

Eine mächtige Königin lebte hier, nur mit der Erziehung ihrer Tochter und dem Wohle ihres Volkes beschäftigt. Und das gelang ihr, denn keine glücklicheren Sterblichen waren zu schauen als die Bewohner dieser Insel. Was sie wünschten, ward ihnen gewährt. Darum liebten sie auch ihre Gebieterin sehr; wenn sie sich mit ihrem Töchterchen zeigte, war große Freude im Lande und alle riefen: "Es lebe unsere Mutter, die gute Königin und die huldreiche, schöne Prinzessin!"

Ja, sie war schön, schön, wie noch niemals ein irdisches Geschöpf, schön wie ein Wesen aus vollkommenen Welten. Wer sie anblickte, und wäre er noch so unglücklich gewesen, dessen Angesicht leuchtete und Seligkeit lachte aus seinen Augen. Darum nannte man sie auch Augentrost, und wer einmal einen guten Tag haben wollte, der suchte sich der Prinzessin zu nahen und blickte ihr in das hellstrahlende Auge.

Aber was allen Bewohnern des Eilandes Glück und Ruhe gewährte, das war auch bestimmt, zu ihrer Vernichtung beizutragen.

Die Schönheit der Prinzessin war nicht allein in ihrer Heimat bekannt. Auch jenseits der Wellen, die diese glückliche Insel umrauschten, vernahm man davon, und das tausendzüngige Gerücht erzählte Wunder über Wunder. Und kaum war dies geschehen, als es nicht an Prinzen fehlte, die herbeieilten, um die Prinzessin für sich zu gewinnen. Aber keiner unter allen, die kamen, vermochte es, das Herz der jungen Schönheit zu rühren, und die Mutter hatte nichts zu tun, als die Bewerber einen nach dem anderen mit einem zierlich geflochtenen Korb nach Hause zu schicken.

Endlich warsd es wieder still auf der Insel, denn die hochgeborenen Freier wurden es müde, um nichts die Gefahren des Meeres zu bestehen. Alles ging seinen gewohnten Beschäftigungen nach, bis ein unerwartetes Ereignis die ganze Insel in Angst und Schrecken setzte.

Die Prinzessin hatte sich eines Morgens kaum von ihrem Lager erhoben und die einfache Toilette vor dem hellgeschliffenen Diamantspiegel beendigt, als sie plötzlich gestört wurde.

"Prinzessin Augentrost! Prinzessin Augentrost!" rief es vor dem Fenster. "Gönne mir doch einen Augenblick die Wonne deines Anblicks, denn mein Herz ist traurig und ich will schier vergehen vor Schmerz."

Mitleidig, wie die Prinzessin immer war, eilte sie sogleich, dem Bittenden seinen Wunsch zu erfüllen; aber als sei auf den Balkon trat, schrie sie laut auf, denn unerwartet stand ein mächtiger Riese vor ihr. Er stürzte sich mit beiden Ellenbogen auf das Geländer des Balkons, und das große, unförmlich gestaltete Haupt ruhte zwischen beiden Händen.

"Grüß dich Gott, schönes Prinzesschen! Betrachte mich einmal genau und sage mir dann, ob ich nicht ein stattlicher Freiersmann bin? Du siehst in mir den Wasserkönig von Wangerooge und ich komme hierher, um eine Königin für meinen Palast und ein Weib für mein Bett zu werben. Für beides bist du mir gut genug; darum schlage ein und folge mir in deine neue Heimat."

Die Prinzessin, auf das äußerste erschrocken, wagte kaum, die Augen aufzuschlagen, und lispelte nur, dass seine Majestät sich mit seinem Gesuch an die Königin-Mutter wenden möge: denn so sei es in diesem Lande Sitte, und kaum hatte der Riese sich dem Wunsch gefügt, als die Prinzessin voll Angst und Schrecken das Schloss verließ und in dem entferntesten Teil des Gartens ihrer Lieblingslaube zueilte.

Aber als ob der heutige Tag dazu bestimmt sei, sie fortwährend in Aufregung zu halten, wich sie auch hier vor Erstaunen zurück, als sie ihren Lieblingsplatz bereits besetzt fand. Diesmal war es aber nicht banges Grausen, was ihren Schritt hemmte, sondern ein süßes Staunen bemächtigte sich ihrer, und eine leichte Röte färbte ihre Wangen. Ein holdseliger Jüngling, der so fein gebaut war, dass er aus Morgenluft und Rosenschein gewebt schien, stand vor ihr und verneigte sich bescheiden: "Wolle mir nicht zürnen, dass ich es gewagt habe, dich in deinem Heiligtum aufzusuchen; aber schon lange belausche ich dich von ferne, und mein Herz ist in heiliger Liebe zu dir entbrannt, das kann ich nicht länger verschweigen. Ich bin der Beherrscher der Blumeninsel Terschelling, und wenn du mich für würdig hälst, mein reiches Erbe mit dir zu teilen, hast du mich für immer glücklich gemacht."

Der Prinzessin schienen diese Worte so viel Vergnügen zu bereiten, dass der Prinz dadurch ermutigt wurde, seine Bewerbung fortzusetzen, und beide wurden einig, dass der Prinz bei der Königin-Mutter feierlich um die Prinzessin anhalten sollte. Darauf trennten sie sich mit den heiligsten Versicherungen ihrer Liebe und gingen auf verschiedenen Wegen dem Schloss zu.

Unterdessen hatte sich der Wasskönig von Wanderooge bei der alten Königin melden lassen, und da er wegen seiner ungewöhnlichen Länge nicht durch das Schlossportal in das Innere gelangen konnte, war die hohe DAme genötigt, ihm die Audienz in dem großen Hofraum zu gewähren. Zum Erstaunen und Schrecken des ganzen Hofes brachte nun der Riese seine Werbung an; aber ehe noch die Königin irgend etwas von dem erwidern konnte, was man bei solchen Gelegenheiten zu sagen pflegt, trat die Prinzessin zu ihrer Mutter, und sie leidenschaftlich an sich pressend, schrie sie: "Ich will ihn nicht! Ich will ihn nicht!"

"Nicht?" schrie der Wasserkönig und tat einen Schritt vorwärts, dass die Erde ringsum bebte. "Und warum nicht?"

Da trat der Blumenprinz von Tschelling hervor und sagte keck: "Aus vielen anderen Gründen und auch darum nicht, weil wir bereits einig sind, und ich gerade im Begriff bin, um ihre Hand anzuhalten." Und damit trat er zur Königin; Prinzessin Augentrost aber rief: "Der ist es, den ich hebe und den ich mir vor allen anderen auserwählte."

Als die Hofleute und das Volk vernahmen, erhob sich allgemeines Beifallsjauchzen, der Riese aber schlug eine so helle Lache an, dass er alles betäubte. Zugleich hob er den schönen Prinzen vom Boden auf und sagte: "Jetzt sollt ihr sehen, dass Wasserkönig nicht allein ein mächtiger Riese, sondern auch ein gewaltiger Zauberer ist. Ich nehme dieses Bürschlein aus eurer Mitte, und damit dieses Männlein mir meine Freude nicht fernerhin verderbe, will ich ihn unschädlich machen."

Er fuhr mit seiner gewichtigen Hand über die zarte Gestalt des Prinzen hin, so dass alle vor Angst laut aufschrien, und als der Prinz die Arme ausstreckte, sich zu verteidigen, verwandelten sich diese in zwei Flügel, zu derselben Zeit wuchs aus seinem Gesicht ein langer Schnabel hervor, ein hellglänzender Busch von farbigen Federn bedeckte den Kopf und die Füße gestalteten sich zu Klauen. Er war dabei so zusammengeschrumpft, dass er nicht größer als ein Papagei erschien; aber die Pracht seines Gefieders übertraf alles, was man bis dahin gesehen hatte.

"Ich gehe jetzt!" rief der Wasserkönig, "aber bald kehre ich wieder, und dann fürchtet meinen Zorn, wenn ihr euch nicht besonnen habt."

Der Riese hielt Wort. Er schritt mit dem so unglücklich verwandelten Prinzen durch das Meer zu seiner Insel, sperrte ihn in einen kunstvoll vergitterten Käfig, und kehrte darauf zu dem Reich der Prinzessin Augentrost zurück.

Seinen Zweck erreichte er aber nicht, denn beharrlich wurde er mit schnöden Worten abgewiesen und wegen seines Frevels hart angefasst. Darüber erboste er sich sehr und rief mit zornglühenden Augen: "So sei es denn! Ich lasse von meiner Werbung ab, aber von diesem Augenblick an ist auch euer Verderben von mir beschlossen. Liebt nur immer euren unbärtigen Prinzen, der jetzt in seinem Bauer hin und her flattert, aber ihr sollt ihn und das Sonnenlicht nicht wiedersehen."

Mit diesen Worten sprang er rücklings ins Meer und tauchte unter. In demselben Augenblich verfinsterte sich der Himmel, ein fürchterlicher Sturm erhob sich und wühlte die tiefste Tiefe des Meeres auf. Die armen Insulaner erhoben ein lautes Wehklagen, aber ihr Jammerton verschmolz bald mit dem Heulen des Windes und der Flut. Als aber nach vielen Stunden der Tag anbrach, sah man mit Grausen, welche Zerstörung das Unwetter angerichtet hatte. Die Wellen hatten den Boden des Meeres aufgewühlt, diesen stückweise auf die Insel der Prinzessin Augentrost geschleudert, so dass diese samt ihrer Mutter und allen ihren Untertanen, samt allen Schlössern und Gärten darunter begraben lag, und ein hoher Sandhügel sich aus der unruhig hin und her wogenden Flut erhob.

Der Riese tauchte aus den Wellen auf, näherte sich dem Hügel und schrie: ""Jetzt jammert in eurem Grab darüber, schöne Prinzessin, dass ihr mich verschmäht habt, und macht, dass ihr euch eines Besseren besinnt, damit dieser Zustand ein Ende nimmt. Am Schluss jeden Jahres will ich den Prinzen zu euch senden, der mag Euch fragen, sich selbst zur Schmach, wie Ihr gegen mich gesinnt seid, und sobald Ihr mich mit Eurer Einwilligung beglückt, löse ich den Zauber, der Euch und ihn gefangen hält. Bis dahin träumt in Eurem finsteren Kerker von eitel Sonnenschein!"

Er entfernte sich schnell und in seinem Reich angekommen, trat er zu dem verwandelten Prinzen, der traurig in seinem Käfig saß und die Flügel hängen ließ:" Harre in Geduld, bis das Jahr endet, dann öffne ich deinen Käfig. Du fliegst zu dem Reich der Prinzessin Augentrost und fragst, ob sie ihre Gesinnung geändert hat. Glaube aber nicht, dich meiner Macht zu entziehen; ich weiß dich zu finden!"

Da freute sich der verzauberte Prinz sehr, und als das Jahr um war, flog er über die See, setzte sich auf den Sandhügel, der den Kerker seiner Geliebten deckte und rief: " Ich frage dich nicht, wie du denkst, denn das weiß ich vorher. Traue meinen Worten, ich befreie dich aus deinem Gefägnis. Treue Liebe vermag alles. Jetzt aber ruft mich mein tyrannischer Gebieter zurück und ich darf nicht länger weilen. Lebe wohl!"

Er flog weg, indem er seinen Schnabel mit Erde füllte, die er von dem Grab seiner Geliebten aufpickte und weit davon ins Meer fallen ließ.

So geschieht es Jahr um Jahr, und indem er seinem Herrn dieselbe abschlägige Antwort bringt, trägt er immer mehr Erde weg, hoffend, die schuldlos eingekerkerte Geliebte endlich zu befreien. Und wonach er strebt, das wird ihm gelingen, denn schon ist der Hügel verschwunden, und nur ine glatte Fläche ist sichtbar. Wenn aber hohe Sturmfluten kommen, decken sie bereits  einen großen Teil davon mit ihren rollenden Wogen.

Dies din die Worte, mit denen ich Sage aus dem Munde eines alten Fischers empfing. Als ich aber ein ungläubiges Lächeln nicht unterdrücken konnte, sprach er verweisend: "Es steht geschrieben: Und wenn ein Vogel der Wildnis käme, und flöge zu dem Gipfel des höchstens Berges in Mesopotamien und trüge jedes Jahr nur ein Sandkorn hinweg, das er ins Meer senkte, so würde endlich der Berg von der Erde verschwinden, aber Gottes Gnade und Güte bleibt ewiglich. Die höchste Gnade und Güte aber, die Gott uns erzeigte, ist, dass er die reine und uneigennützige Liebe in unser Herz pflanzte, und wer sie im kindlichen Geiste empfangen und erkannt hat, der wird an sie glauben und in der Einfalt seines Herzens."

 

 

 

 

 

 

 

DAS MÄRCHEN VOM YSOP

Als die Turmuhr des Klosters ein Uhr schlug, verließ eine vermummte Gestalt das Osttor und lief durch das Tal auf den Berghang zu. Es war eine dunkle Nacht, Neumond, kein Laut war zu hören - bis auf die eiligen Schritte im Feld.

Plötzlich flammte in einer Felsnische ein Licht auf, wurde immer stärker und heller, und auf dieses Licht lief der Mensch jetzt zu.

"Du hast meine Botschaft erhalten", sagte eine Stimme.

"Bei allen Heiligen, wer bist du?" fragte die dunkle Gestalt.

Mönch, unsere Geschichte würdest du in alten, sehr alten Schriften deines Klosters finde. Doch ich glaube nicht, dass man dir erlauben würde, in diesen Büchern zu lesen. Ich bin ein Pflanzenwesen.

Jedes Kraut, das von Gott auf die Erde gesandt wurde, um zu helfen, und sei es nur durch seine Schönheit, besitzt ein solches Wesen. Es können Elfen für Sonnengewächse sein, wie ich eine bin, oder Alraune für Mondgewächse. Auch Boskabauter, die Boten der Liebe, besitzen Pflanzenkräfte und die Giftpflanzen unterstehen den Trollen".

"Elfen, Boskabauter, Trolle!" Träume ich oder was ist los mit mir?" murmelte der Mönch. 

"Besondere Menschen können in besonderen Fällen mit uns Kontakt aufnehmen. Hexen, Aitze, Priester, aber auch jeder gewöhnliche Bauer, wenn er über Kräuterwissen verfügt."

"Aber wieso hast du gerade mir eine Botschaft zukommen lassen? Ich weiß doch nichts von Euch."

Die Elfe lächelte: "Das glaubt nur dein Gehirn, dein Herz ist eingeweiht" Erinnerst du dich an deine Träume? Oder wenn du mit deinen Pflanzen sprichst?"

"Aber das ist doch nur so - ohne nachzudenken.........."

"Siehst du, Mönch, das ist es: Du handelst, ohne daran zu glauben. DEshalb habe ich dich zu mir gerufen, damit dein Glaube an Gott alle, wirklich alle Geschöpfe einschließt. Du gehörst jetzt auch zum Kreis von Wissenden, von heute an wird dir jedes Wesen mit Rat und Tat zur Seite stehen."

Es war eine dunkle Nacht, Neumond, kein Laut war zu hören. Nur das Herz des Mönchs, sein Atem, sein Schlucken dröhnte in seinen Ohren. Jetzt erinnerte er sich auch daran, wie er von Kräutern und deren Wirkung geträumt hatte, wie er sich am nächsten Morgen auf die Suche gemacht, das Kraut gefunden und mit ihm gesprochen hatte.

"Höre, Mönch", riss ihn die Elfe aus seinen Gedanken, "hier ist ein Geschenk. Es ist ein Kraut, ein heiliges Kraut, das einen wichtigen Platz in deinem Kräutergarten braucht. Ich werde dir seine Zauberkraft nicht verraten, du wirst selbst erfahren". Die Elfe reichte ihm einen kleinen Strauch mit blauen Blüten und schmalen Blättern. "DAS IST DER YSOP". Er wird nicht nur die Augen öffnen....."

Der Mönch nahm das Kraut und in dem Augenblick, als er es berührte, war die leuchtende Gestalt verschwunden. Er verbarg die Pflanze unter seinem Umhang und rannte zurück ins Kloster.

Als er durch das Osttor huschte, schlug es von der Turmur gerade ein Uhr.....

Es war Sonntag, die Mönche hatten sich zum Gottesdienst versammelt, die Kirche war voll mit den Bauern der Umgebung. Als der Priester mit dem Weihwasserkessel durch die Gemeinde gehen wollte, sie zu segnen, bemerkte er, dass der Sprengwedel nicht da war. "Der Wedel", zischte er seinen Brüdern zu, aber der war nicht aufzufinden.

Da erinnert sich der Bruder Gärtner, dass er in seiner Kutte einen Zweig des Ysops trug. Er zog ihn hervor und überreichte ihm dem Priester. "Was soll ich damit?", fragte dieser.

"Besser als mit den Fingern", lächelte der Mönch, "probier es".

So schritt der Pfarrer durch die Gemeinde und segnete sie mit Hilfe dessen Ysops. Und dann geschah es: Es war nicht zu sehen und nicht zu hören, aber die Bauern, die Mönche, der Priester, alle spürten es. Irgendetwas Unaussprechliches schwebte plötzlich im Raum - so stark, dass es den Anwesenden fast den Atem nahm. Obwohl es keiner aussprach, wussten es alle: Das Zentrum dieser Kraft war der Sprengwedel, der Ysop, der unaufhaltsam vom Priester geschwenkt wurde, immer wieder, immer wieder - bis der Geistliche endlich innehielt und sich verwundert umsah, als wäre er aus einem Traum erwacht. So erging es auch allen anderen - sie spürten eine solche Wärme in sich, dass sie diese Wärme irgendwie befreien mussten: Die Bauern, Männer und Frauen, die Mönche, der Priester, sie alle lagen sich plötzlich in den Armen und lachten und weinten und wussten, obwohl es niemand aussprach, dass sie soeben einen ganz besonderen Moment erlebt hatten.

Einer der Bauer kam nach dem Gottesdienst zum Priester und sagte: " Ihr wisst, meine Frau ist krank, sehr krank. Ich dachte, ich bringe ihr den Sprengwedel, das Kraut, und hänge ihn bei ihr auf".

Der Priester gab ihm das Kraut und der Mann befestigte es über dem Bett seiner kranken Frau. Er glaubte daran, dass der Ysop helfen würde. Es glaubte, dass der wunderbare Moment den er in der Kirche erlebt hatte, sich zu Hause wiederholen würde. Er glaubt an die Kraft des Ysops und so begann seine Frau auch daran zu glauben. Und sie wurde gesund. War es nun der Glaube oder der Ysop oder - was war es?

 

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RINGELBLUME - CALENDULA OFFICINALIS

Die Ringelblume gehört zur Familie der Korbblütler - Asteraceae; sie kommt auf einem guten Gartenboden vor; liebt Sonne; es werden die Blüten, Blätter gesammelt, aber auch der Wurzelstock kann gesammelt werden.

Volksnamen:

Butterblume, Fallblume, Gartendotterblume, Totenblume, Monatsblume, Warzenblume, Wucherblume, Goldblume, Rinderblume, Ringelrose, Ringula, Sonnenbraut, Sonnenwende, Studentenblume, Weckbrösel

Inhaltsstoffe:

Bitterstoffe, Säuren, Saponine, Glykoside, Flavonoide, Fermente, Triterpene, Calendulin, ätherisches Öl, Schleim, Gummin, Farbstoffe, Calendula-Sapogenin

Magisches:

Männer müssen, um sich bei Mädchen beliebt zu machen, stets die Wurzel einer Ringelblume in einem violetten Tüchlein bei sich tragen, müssen aber darauf achten, dass niemand bemerkt, was sie bei sich führen. 

Zum Wetterorakel wird die Ringelblume, wenn sich die Blüten bis sieben Uhr morgens nicht geöffnet haben, dann ist untertags Regen angesagt;

Liebesorakel = wie bei der Margerite möglich = er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich...........

Im alten Ägypten hatte die Ringelblume den Nimbus, Jugend zu verleihen, ihren botanischen Namen Calendula verdankt sie dem Glauben, sie erblühe immer am Ersten des Monats.

Anwendungen - Eigenschaften in der Volksmedizin:

- Wundheilend, antiseptisch, entzündungshemmend, erweichend, blutreinigend, krampflösend, menstruationsregulierend, wurmtreibend, schweißtreibend, abschwellend, adstringierend, antibakteriell, anregend, pilztötend

- man kann sie verwenden als Tee, Tinktur, Salbe, Gurgel- oder Mundwasser, Gesichtswasser, Sitzbäder, Ringelblumenaufguss, Gewürz, Ringelblumen-Majonaise für die Haut, Ringelblumenöl, Homöopathie;

- bei Brandwunden, Ekzemen, Entzündungen und Vereiterungen der Haut

- gesprungene Lippen, Hautleiden, Schnittwunden

- Menstruation fördernd, Menstruationsschmerzen

- schlecht heilenden Wunden

- Wechseljahrsbeschwerden

- wunde Brustwarzen und wunde Babypopos

- Zerrungen, Quetschungen, aufgeschlagene Knie

- Gesichtswasser macht die Haut klar und frisch

- als gutes und letztes Spülwasser bei trockenem und schuppigem Haarboden

- und vieles mehr.............

- Ringelblume ist eine wunderbare Pflanze; sollte man in unbedingt in seinem Garten besitzen;

Besonderes:

- die HEILKRÄFTIGSTE RINGELBUME ist die, wo die Zungenblüten und die Röhrenblüten die gleiche Farbe haben

- schwierig solche Samen zu bekommen, kann man selbst im Garten sammeln; die Samen sind ringelig, deswegen auch der Name Ringelblume

- in vielen Gärten wegen ihrer Schönheit und Leuchtkraft ihrer Blüten angesetzt;

- sie gehören in jeden Gemüsegarten, denn sie vertreiben durch ihre Wurzelausscheidungen Schadorganismen; 

- die gelben bis orangefarbenen Blütenblätter enthalten die meisten Inhaltsstoffe; frisch oder getrocknet verleihen sie Speisen eine safranähnliche gelbe Farbe, besonders Butter und Käse kann man damit super färben; 

- Ringelblume in der Apotheke ist NUR von Zungenblüten gemacht; ist aber eine Vorschrift;

Homöopathie:

Calendula D1 bis D6 wird zur Unterstützung der Wundheilung einige Male täglich verwendet; die Urtinktur wird vor allem zur Behandlung allergischer Symptome eingesetzt;

TCM = traditionelle chinesische Medizin:

Die thermische Wirkung ist neutral, die zugeordneten Organe sind die Gebärmutter, Herz und Leber; die Ringelblume kommt bei Drüsenschwellungen, Magengeschwüren, Ausfluss, Frauenerkrankungen und den Anfangsstadien der Infektionskrankheiten zum Einsatz

Hildegard von Bingen:

Wer am Kopf Grind hat, presse den Saft aus den Blüten und Blättern der Ringelblume und bereite mit diesem Saft, Wasser und Roggenmehl einen Teig und lasse damit seinen Kopf bedecken und mit einem Tuch verbinden und ziehe eine Mütze darüber; so lange den Teig auf den Kopf lassen, bis er zerrissen wird, dann erst wegnehmen; das während neun Tage machen; 

Hildegard verwendete die Ringelblume vor allem auch in der Tierheilkunde.

Rezepte:

Schauen sie doch in unsere Spalte "REZEPTE ZUM PROBIEREN" dort finden sie eine Salbe, das Öl, eine Tinktur und eine Ringelblumenmajonäse für die Haut; viel Spaß beim Ausprobieren.

(zusammengefasst von Kräuterpädagogin Verena Lanz)

 

 

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WIE DIE ROSE ZUR KÖNIGIN DER BLUME WURDE

Vor langer Zeit, als Mensch und Natur noch in Harmonie und Frieden zusammen lebten, beschlossen die Blumen, eine Königin zu wählen. 

"Die Tiere haben ihren König und auch die Menschen. Nur wir noch nicht."

Es war der Klatschmohn, der so sprach und dabei vielsagend mit dem Kopf nickte. Der Vorschlag fand gefallen, und der Wind wurde beauftragt, die Kunde davon allen Blumen zu überbringen. Also machte er sich auf, strich über Höhen und Tiefen in alle Himmelsrichtungen.

"Beim nächsten Vollmond, Punkt zwölf, wird im Elfenwald die Blumenkönigin gewählt", so raunte er in die Blütenkelche und Knospen - und war auch schon widerüber dem nächsten Hügel verschwunden. Und alle, selbst der stinkende Nieswurz und das gemeine Fettkraut versprachen zu kommen.

Schon weit vor Mitternacht herrschte im Elfenwald ein Gedränge und Durcheinander, dass selbst der kopfigen Teufelskralle Angst und Bang wurde. Und hätte nicht endlich sie die Elfenkönigin eingegriffen, wer weiß, was in dieser Nacht alles passiert wäre.

"Alle Zungenblütler hierhin! Die Schmetterlingsblütler dorthin!" Sanft, aber bestimmt gab sie Anweisungen, gelegentlich unterstützt von der Trompetenzunge, wenn einige, wie der vorwitzige Löwenzahn mit dem aufgeblasenen Leimkraut, wegen der besten Plätze aneinandergerieten. 

Endlich, Mitternacht war bereits angebrochen, ergriff die Karthäuser-Nelke das Wort. Sie war, auf Grund ihres frommen und ehrwürdigen Namens, gebeten worden, die Wahl zu leiten.

"Meine lieben Blumen. Wir haben uns hier versammelt, um eine Königin zu wählen. Wer sich dazu berufen fühlt, möge......."

Die restlichen Worte gingen in einem lauten Tumult unter. Jeder wollte der erste sein. Jeder fühlte sich zur Königin berufen.

"Ich bin die geborene Königin!" Der Floh-Knöterich hatte sich geschickt nach vorne gedrängt und selbst das Echte-Springkraut hinter sich gelassen. Eine pfirsichblättrige Glockenblume, die er kurzerhand bei Seite geschoben und damit zum Klingen gebracht hatte, verhalf ihm unfreiwillig, sich Gehör zu verschaffen. 

"Hört! Hört!" Die scharfe Fetthenne konnte es nicht fassen." Da sehe ich ja noch besser aus. Und das in meinem Alter!"

Der Wiesen-Storchschnabel schüttelte sich vor Lachen. Und selbst Acker-Witwenblume gab ihre vornehme Zurückhaltung auf und prustete los:" Da können wir ja gleich die Gemeine Kuhschelle wählen!"

Ein Sturm der Entrüstung ging durch den Elfenwald. Die Fraktion der Hahnenfußgewächse protestierte einmütig gegen eine solche Diskriminierung. Und selbst das schüchterne Rührmichnichtan schüttelte missbilligend den Kopf. Die Karthäuser-Nelke hatte alle Mühe, die Gemüter wieder zu beruhigen. "Freunde", rief sie, "so kommen wir nicht weiter. Ich weiß, jede von Euch ist so schön und einmalig, dass sie es verdiente, die Königin der Blumen zu werden, darum hört meinen Vorschlag: Nur wer folgende Bedingungen erfüllt, soll in die engere Auswahl kommen und sich zur Abstimmung stellen:

Als erstes muss sie wehrhaft sein! Was nützt uns eine Königin, die von Kuhbeinen zertreten oder von Schafen und Kamelen gefressen wird? Die Tiere haben es uns vorgemacht und den starken Löwen zu ihrem König gewählt!"

"Richtig", rief die Sibirische Schwertlilie, wurde aber gleich von der schwarzen Königskerze zum Schweigen gebracht.

"Zweitens", fuhr die Karthäuser-Nelke unerschütterlich fort", muss unsere Königin einen unbescholtenen Namen tragen".

Die Wiesen-Wucherblume zuckte betroffen zusammen. Hatte sie sich doch einige Chancen ausgerechnet. Auch Fieberklee, großer Händelwurz und der schwarze Gottvergess zogen schnell ihre Bewerbung zurück. Anders das Christophskraut, es hatte sich schon frühzeitig mit dem Gefleckten Aaronstab, dem Waldengelwurz und dem selbst in der Nacht noch gold-gelb glänzenden Johanniskraut zur Fraktion der "bibllschen Blumen" zusammengeschlossen und zur Verstärkung noch das nickende Wintergrün für sich gewonnen. Jetzt schien der Augenblick günstig, sich ins rechte zu rücken. Tatkräftig unterstützt vom Fetten Kreuzdorn, der sich in letzter Minute noch auf ihre Seite geschlagen hatte, drängte es in die vordere Reihe der Bewerber. 

Doch da fuhr die Karthäuser-Nelke schon fort. "Was wir brauchen, ist eine Blume, schlicht, und doch edel. Eine Blume, die alle Sinne der Menschen, denen wir in besonderer Weise verbunden sind, anspricht. Eine Blume für die Liebenden - aber auch für Trauernde. Wer sich dazu berufen weiß trete vor!"

Alle, selbst der vorlaute Löwenzahn, schwiegen betroffen. Wer konnte da Königin werden? Plötzlich erfüllte ein Duft den Wald, und ein Glanz, das selbst der Mond, der doch schon vieles gesehen, sich ungläubig die Augen rieb. Und siehe, ganz hinten, noch hinter dem wilden Stiefmütterchen und dem schmalblättrigen Hohlzahn, stand sie: Bescheiden, fast verloren, und doch mit einem unvergesslichen Glanz und einer Krone aus frischem Tau. "Die Rose! Die Rose soll unsere Königin werden!"

Es waren die Schneeglöckchen, die so riefen und wie wild mit ihren weißen Blütenkelchen bimmelten. Es dauerte nicht lange, da war der ganze Feen Wald von diesem Ruf erfüllt. Es wurde gefeiert und getanzt, bis das Morgenrot den neuen Tag ankündigte. Der Wind aber trug die Nachricht zu allen Pflanzen, Tieren und Menschen.

Das war vor langer Zeit. Mensch und Natur sind längst entzweit, und manche Blumen für immer verschwunden.

Geblieben aber ist die Erinnerung: Wie die Rose zur Königin der Blumen wurde.

(von Norbert Boegle)

 

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SCHAFGARBE - ACHILLEA MILLEFOLIUM

Die Schafgarbe gehört zur Familie der Korbblütler - Asteraceae und kommt auf fast allen Böden vor; sie liebt die Wiesen, Wegränder, Weiden, Bahndämme, besonders trockenen Boden; nasse Böden werden gemieden, vor allem Staunässe verträgt die Schafgarbe nicht. 

Magisches:

Als Bestandteil des Kräuterbüschels schützt die Pflanze vor bösem Zauber aller Art. Wird sie bei abnehmenden Mond, 8 Tage vor oder 8 Tage nach dem Margaretentag = 20.Juli,  gegraben, bringt die Wurzel Glück im Spiel. Man sagt "Man nehme 3 der roten Würmer, die sich in der Wurzel befinden, trage sie in einem sauberen Säckchen stets bei sich und warte ab, was passiert". Wahrscheinlich handelt es sich bei den Würmern um die Larve einer Gallmücke, die am Wurzelhals der Schafgarbe eiförmige Anschwellungen hervorruft.

Aussehen:

Die Blüten sind schmutzig-weiße bis rötliche Scheibenblüten in Trugdolden; die Blätter sind lineal bis lanzettlich, doppelt fiederteilig und Abschnitte sind mehrspaltig; der Stengel ist zottig behaart und die Schafgarbe hat einen würzigen Geschmack. 

Gesammelt wird die obere Hälfte der Pflanze = ganze Kraut und Blüten.

Volksnamen:

Balsamgarbe, Blutkraut, Fasankraut, Feldgarbe, Frauendank, Heil aller Schäden, Rippenkraut, Gotteshand, Augenbraue der Venus, Bauchwehkräutlein, Blutstillkraut, Grillengras, Katzenkraut, Margaretenkraut, Lämmerzunge, Schafrippen, Tausendblatt, Zimmermannskraut, 

Inhaltsstoffe:

Proazulene, Campher, Thujon, Gerbstoffe, Flavonoide, Bitterstoffe, Cumarin, Mineralstoffe, Natrium, ätherisches Öl, antibiotische Substanzen, Cineol

Anwendungen - Eigenschaften in der Volksmedizin:

- entzündungshemmend, anregend, antiseptisch, krampflösend, harntreibend, blähungswidrig, verdauungsfördernd, menstruationsregelnd, tonisierend, zusammenziehend, magenstärkend, blutreinigend, blutstillend;

- Allheilmittel = jede Körperzelle bedankt sich :)

- wird verwendet für die Generalorgane = Beckenorgane der Frauen

- bei Kopfschmerzen

- Vedauungsschwäche, Gastritis, Appetitlosigkeit

- bei Bluthochdruck wurde es früher auch gerne angewandt

- Wechseljahrbeschwerden

- ein gutes Stärkungsmittel auchvor Operationen wurde es in der Volksheilkunde verwendet

Homöopathie:

Millefolium D1 bis D6 = einige Tropfen mehrmals täglich bei Krampfadern, Blutdruckproblemen und Blutungen der innere Organe

TCM = traditionelle chinesische Medizin:

Die thermische Wirkung ist neutral, zugeordnete Organe sind Leber, Milz und Blase; sie nährt die Milz und löst Leberstagnationen; sie trocknet Schleim und Feuchtigkeit und bewegt das Blut; die Gebärmutter wird angeregt; man verwendet sie bei Gallenblasenentzündungen, bei Verdauungsproblemen, bei Migräne, Kopfschmerzen, Schwindelgefühlen und Gastritis.

Hildegard von Bingen:

Wer eine Wunde im Körperinneren erhielt, der pulverisiere Schafgarbe und trinke jenes Pulver im Warmen Wasser; wenn es besser geht, dann kann man das Pulver in warmen Wein einnehmen bis man geheilt ist; 

Besonderes:

- wo sich Schafgarbe im Garten ansiedelt, der sollte sich freuen, denn sie verleiht den Nachbarpflanzen größere Widerstandsfähigkeit und verstärkt ihren Duft. Einige feingehackte Blätter beschleunigen die Verrottung im Komposthaufen.

- Schafgarbe enthält alle 12 Schüsslersalze;

- Blüten und Blätter sind intensiver wenn man sie rund um den Vollmond sammelt

- sollte man in jedem Salat fein gehackt rein geben

- die Blüten sind ein Durststiller bei Wanderungen

- Heeresbefehl von Napoleon

- es gibt viele verschiedene Arten von Schafgarbe, einige davon genannt sind = rosa Schafgarbe = achillea rosa = hat längere Blätter;                        

Achillea clavene - weißer Speik = sie wächst aber auf Kalkboden; 

Achillea moschata - Moschus-Schafgarbe = sie wächst auf keinem Kalkboden, sie liebt das _Urgestein oder Silikatböden

- Schafgarbe ist eine Einschleuserpflanze für Natrium. Wenn aus irgend einem Grund der Stoffwechsel gestört ist und man pflanzliche Hilfe braucht, um die Dinge wieder ins Lot zu bringen, kann auf den Tee zurück gegriffen werden.

- Ein Gesichtswasser aus Schafgarbe macht schöne, klare Haut.

- die Almkräuter sind noch intensiver in ihrer Wirkung, da sie sich an das Klima anpassen und sich selber schützen müssen = heilkräftiger

- eine wichtige Regel ist auch = immer so lange ernten, solange die Sonne aufwärts steigt, also grob gesagt 13, 14 Uhr und am besten ist trockenes Wetter geeignet.

Weißer Speik - Achillea clavene:

Wird auch bittere Schafgarbe, Steinraute oder Almwermut genannt. In den Alpen heißt die Pflanze Speik, aber es gibt auch andere Pflanzen im Volksgebrauch die so genannt werden. Speik enthält wie alle wild wachsenden Schafgarben-Arten Achillein und Moschatin und duftet betörend. Der weiße Speik ist ein seltenes Pflänzlein und steht unter strengem Schutz. Die Bergbauern und Senner kennen diesen Speik als Mittel bei Magenleiden, sie nehmen ihn auch bei Lebererkrankungen oder Darminfektionen. Außerdem wurde er in der Volksmedizin auch um die Wunden gebunden, und sollte daduch schon Leben gerettet haben.

Der weiße Speik spielt auch in der Magie eine große Rolle. Er schützt Mensch und Vieh vor allem Unheil, das von bösen Geistern ausgeht, und wird auch im traditionellen Viehschmuck bei den Almabtrieben gerne gefunden. Um auch schöne Träume und einen tiefen Schlaf zu haben, wurden früher gerne einige Blätter auf die Augen gelegt - besonders auch für Kinder. 

Moschus-Schafgarbe - Achillea moschata:

Die Moschus-Schafgarbe wird auch Frauenraute, Jochkamille oder Iva genannt. Sie enthält reichlich ätherisches Öl und sie duftet bei schönem Wetter so stark, dass man sie schon von weitem riechen kann. 

Den Volksnamen Iva, soll sie erhalten haben, weil sie im Mittelalter zu Abtreibungen missbraucht wurde. Der Kräuterbitter Iva ist schon seit 100 Jahren bekannt, er wird in der Schweiz aus Moschus-Schafgarbe hergestellt. 

Die Moschus-Schafgarbe ist ein Heilkraut bei Nervenleiden und Nervenschwäche, sie ist ein Wundheilmittel und beugt Lebererkrankungen und Magen- Darmstörungen vor. 

Sie trifft man nur auf kalkarmen Böden, meistens aber wächst sie in friedlicher Koexistenz mit Achillea atrata, der schwarzen Schafgarbe.

 

 

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SONNENHUT - ECHINACEA PURPUREA

Der rote Sonnenhut gehört zur Familie der Korbblütler - Asteracea; und kommt fast auf jeden Boden vor, liebt vor allem trockenen Sandboden, und kommt aus Nordamerika;

Gesammelt werden die Blütenblätter, die Blätter, das Kraut und der Wurzelstock.

Magisches:

Die alte indianische Heilpflanze spielt im Frühlings- und Totenkult der nordamerikanischen Indianer (auch heute noch) eine bedeutende Rolle. Die Pflanze begleitet die Indianer von der Wiege bis ins Grab, sie wird von der Urbevölkerung Amerikas seit jeher so benützt, wie sie heute auch die moderne Medizin einsetzt. Eine besondere Rolle spielt sie bei der Geburt neuer Erdenbürger, die Gebärenden suchen bevorzugt Plätze auf, wo der Sonnenhut in großer Zahl wächst (heute auch Einsatz bei Wochenbettfieber). 

Wenn jemand stirbt, legt man Wurzeln und Blumen auf die hoch gelegenen Grabstätten und ermöglicht damit dem Toten einen leichteren Übergang in die Geisterwelt.

Volksnamen: 

Roter Sonnenhut, Igelkopf, Kegelblume

Inhaltsstoffe:

Flavonoide, ätherisches Öl, Zimtsäure, Inulin, Harzstoffe, Betain, Glukose, Vitamin C, Fermente

Anwendungen - Eigenschaften in der Volksmedizin:

- immunstärkend, entzündungshemmend, aktivierend

- bei Erkältungskrankeiten

- bei grippalen Infekte

- vorbeugend gegen Infektionen

- bei Husten und Bronchitis wurde es auch in der Volksmedizin verwendet

- leichten Verbrennungen

- schlechte heilenden Wunden

Besonderes:

Die Blüten von der Kapuzinerkresse und die Igelköpfe zusammen verwenden = alles klein aufschneiden = Tinktur machen daraus = antivirale Wirkung

Homöopathie:

Echinacea augustifolia als Salbe oder D0 (Urtinktur) bis D3 = mehrer Tropfen mehrmals täglich als Penicillinersatz, zur Unterstützung der Chemotherapie, bei Erkältungskrankheiten, Hauterkrankungen und zur Unterstützung des Immunsystems verwenden.

Bis D10 bei Vergiftungserscheinungen nach der Aufnahme von Tier- oder Pflanzengiften. In der akuten Situation alle 5 Minuten 2 bis 3 Tropfen auf die Lippen geben.

Sonnenhut-Heilsalbe:

Auf je 90g Lanolin kommen 10g Tinktur oder Essenz.

Die Tinktur unter ständigem Rühren in das geschmolzene Lanolin einarbeiten so bis eine geschmeidige Masse entsteht.

Sonnenhut - Tinktur:

Die getrockneten Wurzel des Sonnenhutes im Verhältnis 1:5 in Obstbrand oder Kornschnaps ansetzen, und gut 14 Tage ziehen lassen; dann abfiltern und tropfenweise verwenden.

(Kräuterpädagogin Verena Lanz)

 

 

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"WARUM DER LÖWENZAHN LÖWENZAHN HEISST"

Es begab sich einmal vor langer Zeit, im heißen Land Afrika, das direkt vor dem König der Tiere, dem Löwen, ein kleiner Fallschirm landete.

Nun ist es aber so, das wir wissen alle, dass sich große Tiere nicht um so kleine Dinge kümmern.

Und deshalb schaute der König der Tiere den Fallschirm nicht einmal an.

Am Fallschirm hing ein Samen, und dieser fiel lautlos in den gelben Wüstensand. Zur selben Zeit begann es zu regnen. Das kommt in der Wüste selten vor.

Und weil der Samen nun Wasser bekam, begann er zu keimen und es wuchs daraus eine wunderschöne gelbe Blume.

Jetzt freute sich König Löwe: In seinem Reich blühte eine Blume, die so gelb wie die Sonne am Himmel war!

Jeden Tag roch der Löwe daran, obwohl sie gar nicht so gut duftete.

Doch wie staunte er, als eines Morgens die gelbe Blume verschwunden war. Stattdessen sah der Löwe eine weiße Seifenblase auf dem Blumenstängel.

"Ob die vielleicht riecht?" überlegte er.

Und schon steckte der König der Tiere seine Nase hinein. Ach, wie das kitzelte! Der Löwe musste niesen!

Und wenn ein Löwenkönig niest, dann ist das etwas ganz Gewaltiges! Haaaa-haaaa-haatschi!!!!

Der Löwe riss beim Niesen sein Maul weit auf und es brach ein richtiger Sturm los. 

So ein Sturm, dass die weiße "Seifenblase" in tausend Stücke zersprang. Das heißt: Sie zerfiel in viele kleine Fallschirme.

Die wurden von dem gewaltigen Löwenniesen hoch in die Luft gewirbelt und gerade in diesem Augenblick kam ein Fuchs des Weges. Der hatte an diesem Tag seine Brille zu Hause vergessen.

Und deshalb konnte er nicht genau erkennen, was da bei dem Löwen passierte. Weil er aber ein altes Plappermaul war, erzählte er allen Tieren, die ihm begegneten folgende Geschichte:

"Dem König der Tiere sind alle Zähne aus dem Maul gefallen! Ich hab es mit eigenen Augen gesehen!"

Natürlich hörte eines Tages auch der Löwe diese Lügengeschichte, aber wie schon gesagt: Große Tiere kümmern sich nicht um kleine Dinge und auch nicht um kleine Geschichten.

König Löwe hat nur gebrummt, der Fuchs könnte ja vorbei kommen, wenn er keine Angst hätte..........

Seitdem aber wird die gelbe Blume, die ihren Samen mit Fallschirmen in die große weite Welt hinausschickt LÖWENZAHN genannt!!

(Verena Lanz)

 

 

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DAS MÄRCHEN VOM KNOBLAUCH

Ein Vater hatte drei Söhne und kein Geld.

Als es darum ging, jedem für sein weiteres Leben etwas mitzugeben, holte er aus einem Kistchen zwei Samenkörner und etwas, das wie eine kleine längliche Frucht aussah, und sprach: "Das ist alles, was ich Euch geben kann. Wenn ihr es richtig nützt, wird es Euch ebensolches Glück bringen, als hätte ich jedem von Euch einen Sack voll Gold gegeben!"

Er überreichte jedem Sohn seinen "Schatz" und sie machten sich gleich daran, ihn einzupflanzen.

Jeden Morgen war von nun an der erste Weg der Söhne zu dem Teil des Gartens, wo ihr zukünftiges Glück wachsen sollte. Lange Zeit ließ sich nichts blicken. Dann endlich, eines Tages, zeigte sich ein erster, grüner Blattfinger, kurz darauf schossen auch die beiden anderen Keimlinge in die Höhe. Noch war kein Unterschied festzustellen.

Als die Sonne schon sehr hoch im Jahr stand, zeigte sich bei der Pflanze des jüngsten Sohnes die Form einer Blüte. Die des mittleren hatte ihre Blätter wie einen Kelch gewunden, aus dem etwas herauszuwachsen schien. Der Älteste blickte etwas nachdenklich auf sein "Glück": Es hatte zwar die größten und längsten Blätter, aber außer den Blättern war noch nichts zu erkennen.

Eines Tages im Herbst führte der Vater seine Söhne in den Garten, um die Ernte einzubringen. Im ersten Beet war eine wunderschöne Blume gewachsen, im zweiten eine kurze, feste Pflanze, die sehr nützlich zu sein schien, nur im dritten Beet sah es traurig aus: Die langen, braunen Blätter hingen welk zu Boden. 

"Na, unser ältester Bruder schien kein großes Glück gefunden zu haben!", lachten die beiden anderen.

"Wartet", sagte der Vater, "das wahre Glück muss nicht immer gleich zu erkennen sein!"

Dem Jüngsten schnitt er die Blume, die voll Schönheit und Duft war.

"Das ist die Blume. der keine Frau widerstehen wird können." Und so war es auch: Dieser Sohn heiratete bald, bekam viele Kinder und wurde ein guter Familienvater.

Die Pflanze des zweiten Sohnes verbarg sein Geheimnis in ihrem Kelch. "Sieh diese gelbe Stängel, die aus dieser Blume wachsen. Sie werden dich reich machen. Man nennt sie Safran. Es ist das wertvollste und köstlichste Gewürz der Welt." Und so war es auch: Dieser Sohn wurde ein berühmter Koch und alle waren von seinen gelben Speisen begeistert.

"Und wie steht es mit dem, was du mir auf meinem Lebensweg mitgibst?", fragte der Älteste und schaute auf die welken Blätter. "Ich sagte dir doch schon, lasse dich nicht vom Schein blenden. Keine Blüte kann ihren Duft, keine Frucht ihren Geschmack ohne die Wurzel finden. Die Wurzel wird dein Glück sein!" Der Sohn grub seine Pflanze aus und fand in der Erde eine seltsame Frucht. Knoblauch. In ihrer Wurzel entdeckte er sieben Zehen. "Die soll mein Glück bedeuten?", dachte er und war mit dem Geschenk des Vaters sehr unzufrieden.

"Vielleicht wirken sie wie die Blume meines Bruders und verhelfen mir zu einer guten Frau!" Das wollte er bei einem nächsten Treffen mit dem Mädchen, das ihm gefiel, ausprobieren. "Mitbringen kann ich ihr die Zehen nicht, aber vielleicht machen sie mich unwiderstehlich." Und er zerkaute den Knoblauch.

Als sich das Mädchen und der Junge gegenübersaßen und er gerade zärtlich "Ich liebe Dich" hauchen wollte, entwich seinem Mund eine Wolke starken Knoblauchduftes. Das Mädchen entging knapp einer Ohnmacht und ließ sich nie wieder blicken.

"Das soll Glück sein?", rief der Bursche ärgerlich und versuchte es, wie sein Bruder, mit der Kochkunst.

Er bekam die Gelegenheit, für eine vornehme Gesellschaft ein Abendessen zu bereiten. Es wurde ein großer Erfolg, seine Speisen wurden wegen des vorzüglichen Geschmacks gelobt. Schon dachte er, nun habe er das Glück doch noch erreicht. Aber plötzlich hörte er aus dem Zimmer, wo die Gesellschaft ihren Kaffee tranken, seltsame Geräusche, die wie Donner klangen. Mit hochroten, schamerfüllten Gesichtern saßen die feinen Leute da und beteuerten einander gegenseitig, dass ihnen diese unschicklichen Töne völlig fremd seien. Bis einer den Zusammenhang mit dem köstlichen Geschmack der Speisen herstellte und der Koch davongejagt wurde.

"Du hast mir nicht Glück, sondern Unglück auf den Weg mitgegeben!", beschwerte sich der Sohn beim Vater. "Für dein Glück brauchst du Geduld und Vertrauen. Pflanze die noch verbliebenen Zehen in die Erde, warte auf den Herbst und eine neue Ernte. Kaue jeden Tag deinen Knoblauch. Du wirst dein Glück vielleicht nicht heute in die Hände nehmen können, aber dafür wirst du eines Tages auf dein Glück zurückschauen!"

Und so war es auch: Während Krankheiten Körper und Geist seiner jüngeren Brüder schwächten, die Schönheit der Blume längst vergangen, der Geschmack des Safrans längst vergessen war, sah der älteste Bruder aus, als würde er jeden Tag in einem Jungbrunnen baden. Das hatte er dem Knoblauch zu verdanken, den er im Garten zog und dessen Kraft ihm erst klar wurde, als er am Grab seiner Brüder stand und die Gesundheit als höchstes Glück erkannte.

(Verena Lanz)

 

 

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ALANT - INULA HELENIUM

Foto: Weidenblättriger Alant

Der Alant gehört zur Familie der Korbblütler - Asteraceae;  er stammt ursprünglich aus Asien und kommt besonders in den Bauerngärten vor; gesammelt werden der Wurzelstock und die Blätter.

Alant und Magie:

Folgendes Rezept "um sich gegen Verzauberung von Alben ( Elfen, magische Wesen) zu wehren, wurde vom deutschen Botaniker Heinrich Marzell (1885-1970) hinterlassen: "Geh am Donnerstagabend - zu einem Platz, wo der Alant steht; singe das Benedicite, ein Vater Unser und die Litanei und stecke das Messer an die Pflanze und lasse es dort die ganze Nacht. Geh in der Morgendämmerung in die Kirche und lasse dich segnen. Geh dann schweigend - auch bei einer Begegnung mit Schrecklichem oder auch einem Menschen - zu dem Paltz mit dem Alant und singe wie am Vorabend; grabe dann das Kraut aus und lass das Messer an der Wurzel stecken. Geh so schnell du kannst in die Kirche zurück und lege die Wurzel samt dem Messer unter den Altar; warte bis die Sonne aufgeht. Wasch dann das Kraut und Wurzel und mach es zu einem Trank."

Eine kleine Geschichte:

Wenn sich der Alant - wie man ihn heute kennt - mit der aus der Schule des griechischen Arztes Hippokrates als "Helenion" bezeichneten Pflanze deckt, zählt der Alant zu den schon sehr langen bekannten und als Arznei verwendeten Heilpflanzen. 

Der Sage nach ist die Pflanze aus den Tränen der entführten Helena entstanden. Daher soll die Pflanze auch besonders schön in der Heimat der Helena, in Griechenland, wachsen. 

Die Römer nutzten eine Heilpflanze "inula", Plinius gibt als Anwendungsgebiete Husten, Krämpfe, Blähungen, Magenschwäche und Ischias an und rühmt sie besonders als Magenmittel. Er verweist auf die tägliche Verwendung der Wurzel durch Julia, Tochter des damaligen römischen Kaisers Augustus. Im Mittelalter war die Verwendung des Alantweines sehr verbreitet; dieser kam bei Magen-, Brust- oder Kopfleiden zur Anwendung. Sogar die Pest versuchte man mit Alantwein zu bekämpfen. Die Alant-Wurzel war auch Bestandteil des Theriaks, der über viele Jahrhunderte als Universalheilmittel gehandelt wurde. Im Volksglauben gilt der Alant auch als Dämonen abwehrendes Mittel. In Bosnien wurde Alant zum Schutz der Kinder in die Kleider eingenäht. Der Alant ist auch heute noch in verschiedenen Gegenden Deutschland der Mittelpunkt des Kräuterbüschels, das am Feiertag Mariä Himmelfahrt in den Kirchen gesegnet wird. 

Aussehen und Vorkommen:

Der Alant ist eine sehr kräftige Pflanze, deren behaarte, gefurchte Stängel eine Höhe von 2 Metern erreichen kann. Die Blätter rollen sich so aus, dass als erstes die dicht filzig behaarte Unterseite zu sehen ist. Die Grundblätter sind länglich eiförmig und gestielt, die herzförmigen und stängelumfassenden Blätter weisen auch noch einen unregelmäßigen gezähnten Rand auf. Am Stängelende sitzen die goldgelben Blütenköpfe, die innen viele Röhrenblüten tragen und von einem dichten Kranz schmaler Zungenblüten umgeben sind; die wunderbare Pflanze blüht von Juni bis September.

Volksnamen: 

Garten-Alant, Altwurz, Darmwurz, Heilwurz, Gottesauge, Krätzenwurz, Edelwurz, Glockenwurz, Brustalant, Helenenkraut, großer Heinrich, Odinskopf

Inhaltsstoffe:

Helenin = ein Gemisch aus drei Bitterstoffen, ätherisches Öl, Inulin, Harz, Azulen, Laktone, Alantsäure, Kampfer, Pektin, Wachs, Schleimstoffe, Polisaccharide = Mehrfachzucker aus Fructose = besondere Wirkung

Anwendung in der Volksmedizin:

Tee, Wurzelauszüge, Räuchern, Weinlikör

Verdauungsfördernd, nierenanregend, auswurffördernd, tonisierend, wurmtreibend, stärkend für Husten, immunstärkend

Blätter in Wein gekocht, wurden früher in der Volksmedizin bei Hand- und Gelenksschmerzen aufgelegt

Wurde bei der Herstellung bei Diabetikernährmittel genommen 

In größeren Dosen gilt es als Brechmittel

Besonderes:

- Wurzel kann kandiert werden

- getrocknete Wurzel zum Räuchern nutzen, ergibt einen herrlichen Duft 

- NICHT überdosieren, da schleimstoffreizend und allergiewirksam

- KEIN Blattgrund

- FRUCHTSTÄNDE = nach der Blüte, schöne Frucht, für Trockengestecke

- ALTES HAUSMITTEL = unteren Blätter in Wein gesotten, und bei Ischias aufgelegt

- im HERBST = die ganze Wurzel rausgeben, teilen in 2 Teile, eine Hälfte für Tee  oder anderes verwenden und die zweite Hälfte wieder neu eingraben

Homöopathie:

- D12 soll vor Frühgeburt schützen

- ab D2 für Bronchien, Lunge, Diabetes

TCM = Traditionelle chinesische Medizin:

Wurzelstock und Blüten werden den Organen Lunge, Milz und Leber zugeordnet; senkt das Qi der Lunge ab, bewegt das Leber-Qi und hilft der Gebärmutter;

Hildegard von Bingen:

Der Alant wurde von Hildegard sowohl innerlich, als auch äußerlich angewendet; gegen Lungeschmerzen empfahl Hildegard von Bingen sie zum Beispiel einen Trunk, bei dem Wacholderbeeren, Königskerze und Schafgarbe in gutem Wein gekocht wurde; dieser Flüssigkeit wurde dann roher, kleingeschnittener Alant begefügt, den man als Suppeneinlage essen musste; gegen Krätze und die damit verbundenen Hautentzündungen und Juckreiz stellte Hildegard eine Salbe her; 

15 Teile Alant

3 Teile Farnkraut

1 Teil Kerbel

etwas Weihrauch und Schwefel

wurde in Schweineschmalz ausgezogen; 

5 Tage sollte sich der Kranke damit einreiben, dann soll derselbe Kranke sich in einem Bade reinigen, damit die Borken und der Gestank von ihm entfernt werden.

(Zusammengefasst von Kräuterpädagogin und Kräuterexpertin Verena Lanz)

 

 

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HUFLATTICH - TUSSILAGO FARFARA

Der Huflattich gehört zu der Familie der Korbblütler - Asteraceae; Huflattich kommt auf kalkhaltigen Lehmboden vor, wächst gerne auch auf reiner Braunkohle, auf Straßenböschungen, torfige Bereiche, an Wegen, in Kiesgruben, auf Schuttplätzen, in Äckern und liebt die Sonne. Es werden die Blüten und Blätter gesammelt.

Die Botschaft des Huflattichs:

Droben am Südhang wurde in einer Herde kleiner Wildpferde viel zu früh im Jahr ein Fohlen geboren. Auf staksigen Beinen lugte das kleine Pferdchen neugierig in die Welt und stellte seine kurze, goldgelbe Strahlenmähne frech gegen den Himmel. Lebenskraft und Übermut blitzten aus seinen Augen und eine unbändige Kraft ließ den kleinen Körper erzittern. Da ging es auch schon los. Auf und ab, kreuz und quer donnerte die kleine Goldmähne über den noch schneeweißen Frühlingshang. "Seht, ich kann unsichtbar laufen", rief das Fohlen, als es bemerkte, dass die Sonne augenblicklich hinter ihm seine Fußspuren aufschleckte. Nur an den wenigen, bereits grünen Flecken war etwas von seinen Spuren zu sehen. Kleine goldgelbe Strahlenblüten auf langen, rotbraunen Füßen schauten wie Haare seiner Goldmähne aus dem Boden. Diese haben den frischen, wilden Atem des kleinen Pferdes und seine ungezähmte, freie Art.

Als erst der Schnee schon lange geschmolzen war, zeichnete sich auf der Erde die Hufspuren des Wildfangs ab. Es bildeten sich aus ihnen hufförmige, grüne Blätter mit samtigem, weißem Fell auf ihrer Unterseite. Wie das Pferdchen strotzen auch diese vor überbordender Lebenskraft und Zähheit. Habt ihr es auch erkannt?? Na klar, ich bin es der Huflattich.

Volksnamen:

Ackerlattich, Bachblümchen, Brandlattich, Brustlattich, Eselsfuß, Heilblatt, Hustenkraut, Lehmblümchen, Tabakkraut, Berglatschen, Fohlenfuß, Hoflörrich, Hufblatt, Märzblume, Sandblümel, Sommertürl, Teebleaml, Zeitrösele, Dokterblümli, Rosshuf, Der Sohn vor dem Vater, Horse-foot oder Horse-shoe (engl.)

Inhaltsstoffe:

Schleime, Bitterstoffe, Gerbstoffe, ätherische Öle, Glykoside, Inulin, Kieselsäure, Alkaloide, Gerbsäure, Hyperin, Mineralstoffe, Pyrrolizidinalkaloide, Salpeter, Saponine, Tannine, Taraxasterol, Zink

Aussehen und Blattmerkmale: 

Blütenköpfe sind gelb, groß und erscheinen vor den Blättern; Blätter sind grundständig, handgroß, langgestielt, eckig-herzförmig, gebuchtet, Unterseite filzig behaart;  

- doppelt gezähnt

- Filzschicht auf Blattunterseite ( kann abgerieben werden)

- weinrot gefärbter, aber dünner Blattrand

- Stängelform = Hufeisenform = NUR am Blattgrund am Stängel ist eine Rille drinnen; wenn man dort den Stängel abschneit, kommt eine Art Hufeisen hervor; die Pestwurz hat das nicht = eindeutiges Merkmal

Anwendung in der Volksmedizin:

Tee, Tinktur, Blütenessenz, Räucherung, Auflagen

Der Huflattich wirkt adstringierend, anregend, antibakteriell, blutstillend, entzündungshemmend, erweichend, schleimlösend, schweißtreibend, tonisierend, reiz- und schmerzlindernd

Innerlich wird es in der Volksmedizin bei Erkrankungen der oberen Luftwege, Asthma, Bronchialkatarrh, Husten, Heiserkeit und zur Blutreinigung; 

Äußerlich wurde es in der Volksmedizin bei offenen Füßen eiternden Wunden und Verletzungen verwendet; 

Besonderes:

- Korbblütler - Einzelblüten - Stängelschuppen

- Einzelblüte - Zungenblüten - mittig Röhrenblüten

- Blüten möglichst schnell in warmer Luft trocknen!

- wird von Laien gerne mit der weißen Pestwurz verwechselt

- das Erste Gelb was wir im Frühjahr sehen, zuerst die Blüte und dann die Blätter

- Pestwurz und Huflattich haben die Eigenschaft gerne nebeneinander zu wachsen

- ACHTUNG = Blätter nur in den ersten Wochen für Heilzecke nehmen; später entwickeln sich die Giftstoffe

Aus dem Weisheitsschatz der Alten:

Hippokrates (1.Jh. v. Chr.), der ihn "bechion" nannte, rühmte Huflattich als Hustenmittel

Plinius (1. Jh. n. Chr.) schrieb: "Der Rauch dieser Pflanze, die mit der Wurzel getrocknet und auf Zypressenkohle verbrannt wird, soll bei chronischem Husten eine heilsame Wirkung haben, wenn man ihn durch einen Strohhalm inhaliert".

Dioskurides (1. Jh.) und Galen (2. Jh.) empfahlen den Rauch der gerollten, getrockneten Blätter einzuatmen bei Husten oder Atemnot.

Huflattich zählte im Mittelalter zu den Tabakspflanzen. Seine geschnittenen, getrockneten Blätter wurden in der Pfeife geraucht, was den Lungen und den Bronchien half. Kräutertabak enthielt oft eine Mischung aus Huflattich- und Alantblättern, Rosmarin, Thymian, Lavendel und Kamille.

Culpeper ( 17. Jh.) gab ein Rezept zum Fiebersenken: je 5 g Blüten vom Huflattich, Holunder und Mädesüß in 300 ml Wasser 15 Minuten lang kochen lassen und tagsüber in kleinen Schlucken trinken. 

TCM = Traditionelle chinesische Medizin:

Die thermische Wirkung ist süß und die zugeordneten sind der Dickdarm und die Lunge; es wirkt entzündungshemmend

Homöopathie:

Farfara Urtinktur oder in Verdünnung wird bei Grippe, Bronchitis, krampfartigen Husten und Lungenbeschwerden in der Homöopathie verwendet;

Räuchern:

Eine Räucherung mit Blüten oder Blättern reinigt die verstopften, verschmutzten, feinstofflichen Kanäle der Klarsicht und öffnet dem Licht nach innen und außen die Pforten.

(zusammengefasst von Kräuterpädagogin Verena Lanz)

 

 

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DIE KRÄUTERHEXE

Es ist ein wunderschöner Sommertag. Hanna und John sonnen sich auf der Wiese hinter Tante Annas Haus.

"Sonne macht müde", murmelt Hanna, und fast wäre sie eingeschlafen, doch John rüttelt sie wach. 

"Hörst du nichts"? fragte er.

Hanna schüttelt den Kopf. "Nein, was denn"?

"Es raschelt, dort hinten am Waldrand!"

"Na und?"  Hanna schließt wieder die Augen.

John aber gruselt sich und blickte sich immer wieder um. Dann sieht er sie. Wirklich, eine Hexe ist es, die auf sie zukommt.

"Ei-ei, eine Hexe!" stottert er und will weglaufen.

Hanna lacht. "Hexen gibt es nur in Märchen:

"Sie sieht aber wie eine Hexe aus: klein und dürr, mit einem Buckel und einer spitzen Nase."

"Deshalb ist es noch lange keine Hexe."

John weiß aber wie immer alles besser und sagt: " Sie trägt aber einen Korb mit Giftkräutern."

Es raschelt lauter, und eine alte Frau mit einem Korb kommt auf sie zu. Manchmal bleibt sie stehen, pflückt hier und dort eine Blume, rupft da und dort ein Kräutlein, zieht dort eine Wurzel aus dem Boden.

"Siehst du!", sagt John.

"Guten Tag", grüßt die Alte freundlich.

"Hallo", erwidert Hanna den Gruß. Sie späht in den Korb. Unkraut liegt darin, Pilze, Kräutlein und Wurzel.

"Darf ich mich ein wenig zu Euch setzen?" fragte die alte Frau.

"Klar", sagte Hanna. "Ich heiße Hanna und das ist John."

"Nett, Euch kennen zu lernen, antwortete die alte Frau freundlich, "Mein Name ist Eugenia Fantasia."

"Ein komischer Name", erwiderte John und Hanna fragt: "Was machst du mit all dem Unkraut?"

Eugenia Fantasia seufzt ein wenig. "Unkraut ist das nicht, aber wer heute noch die Geheimnisse der Natur? Es sind Heilkräuter, die ich gesammelt habe. Pflanzen mit wundersamen Kräften."

Hanna staunt. "Heilsame Kräfte?"

John aber fragt neugierig: "Bist du eine Giftkräuterhexe?"

Eugenia Fantasia lächelt. "Wer heutzutage Kräuter sammelt, kann wohl nur eine Hexe sein! Ganz einfach, nicht wahr?"

"Das ist gar nicht einfach", meinte Hanna. "Ich finde es spannend, was man mit Kräutern alles machen kann. Erzählst du uns mehr davon?"

John ist aber enttäuscht. "Schade, mault er", "ich hätte so gerne eine echte Hexe kennen gelernt."

Da müssen Hanna und Eugenia Fantasia lachen. 

Dann wird Eugenia Fantasia ernst. "Vielleicht", sagt sie leise, "vielleicht bin ich doch eine Hexe."

Jeder nämlich, der anders ist als die Mehrzahl der Menschen, wird als so etwas wie eine Hexe angesehen oder als Zauberer oder"... sie lacht, "oder als Narr".

"Und du?" fragte John, "bist du eine Närrin?"

"Ach, von jedem ein bisschen", antwortet Eugenia Fantasia rätselhaft.

"Dann kannst du auch hexen und zaubern?", "in jedem Ort steckt ein Zauber", antwortet die alte Frau mit geheimnisvoller Stimme. "Und in jedem Menschen, man darf ihn nur nicht vergraben"...

"Den Zauber?" "Vergraben!"

Erstaunt starren Hanna und John die alte Frau an.

"Denkt darüber nach", Eugenia kichert nur. "Und lasst euren Fantasien freien Lauf, denn das ist wichtig!"

Sie steht auf, packt ihren Korb und ist - wie fast ein Geist - verschwunden!!

(Aus dem "kleinen Hexen-Märchen-Buch" Verena Lanz)

 

 

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ECHTE KAMILLE - MATRICARIA CHAMOMILLA

Die Kamille war schon in der Zeit der Antike bei den Griechen und Römern ein - wie auch heute - sehr beliebtes und anerkanntes Heilmittel. Ob es nur die Echte Kamille war, kann heute nicht mit Sicherheit gesagt werden. 

Jedenfalls beschrieben schon Asclepios und Galen die Wirkung des Kamillentees. Durch Dioskurides sind Erfahrungen im Umgang mit Kamillenbädern und - umschlägen überliefert. 

Bei den Völkern im Norden Europas war die Kamille dem Sonnengott Baldur zugeordnet und heilig. Im Mittelalter wurden mit der Kamille viele abergläubische Vorstellungen verknüpft; so glaubt man, dass die Kamille am wirksamsten sei, wenn sie am Johannistag gepflückt wird. Ab der Mitte des letzten Jahrtausends gibt es sehr viele Berichte über die Wirksamkeit der Kamille bei Erkrankungen, die auch heute mit Extrakten aus der Echten Kamille behandelt werden. Sehr beliebt war dazu noch die Anwendung der Kamille als Mittel zur Haarpflege, da damit die blonde Haartönung besser erhalten bleibt. 

Die Echte Kamille gehört zur Familie der Korbblütler - Asteracea und kommt in fast allen Böden vor, bevorzugt liebt sie nähr-, stickstoffreiche, kalkarme, lehmreiche Böden;

Sie wächst auf Äckern, Halden, Waldwiesen, Schuttstellen, Mais-, Klee-, Kartoffel- und Rübenfeldern; liebt die Sonne und liebt die Nähe von Getreide, doch dort wird sie bekämpft; durch die überhandnehmende Kunstdüngung und chemische Unkrautbekämpfung wird unsere wertvolle Kamille immer mehr verdrängt; 

Bei der Kamille werden die Blütenköpfe und das Kraut gesammelt.

Volksnamen:

Apfelkraut, Apfelblümlein, Feldkamille, Haugenblume, Helmergen, Helmriegen, Hermelin, Herminzel, Kammerblume, Kummerblume, Laugenblume, Mägdeblume, Mariamagdalenakraut, Muskatblume, Mutterkraut, Remi, Romerei, Hermänle, Kuhmelle

Inhaltsstoffe:

Chamazulen, ätherisches Öl mit Azulen (Blauöl), Bisabolol, Flavonoide, Oxycumarine, Bitterstoffe, Schleimstoffe, Magnesium, Azulen, Gerbsäure, Harz, Borneol, Werg, Farnseol, Hyperosid, Oleanolsäure, Salicylate, Salizilsäure, Schwefel, Thujon, Umbelliferon

Aussehen und Geschmack:

Die Echte Kamille ist eine aufrechte, einjährige, krautige, verzweigte, biszu 50 cm hohe, verbreitet vorkommende Pflanze mit zwei- bis dreifach gefiederten Blättern und mit zahlreichen, endständigen, langgestielten Blütenköpfchen. Sie haben einen hohlen Blütenboden - ein wichtiges Erkennungsmerkmal - ohne Spreublätter, auf dem dicht gedrängt eine hohe Zahl von kleinen, gelben Röhrenblüten sitzen, die zwittrig sind und nacheinander von unten nach oben bis zur Kegelspitze hin aufblühen; die etwa 15 weißen Zungenblüten stehen zunächst fast waagrecht ab, sind aber später nach unten geschlagen. Die ursprüngliche Heimat der Kamille liegt in Süd- und Osteuropa und in Vorderasien. 

Aroma und Geschmack der Kamille werden oft als apfelähnlich beschrieben; diese Eigenschaft drückt sich in ihrem botanischen Namen aus, der sich vom griechischen  "kamai" , "auf dem Boden", und "melon", "Apfel", herleitet; Kamillentee schmeckt heiß ganz wundervoll und verleiht geeisten Sommertees eine kühlende Wirkung.

Botanische Anmerkungen:

Kamille ist eine immergrüne winterharte Pflanze, die Sonne oder Halbschaten braucht; man kann sie durch Samen oder Wurzelteilung vermehren; die Römische Kamille wird für Tee´s bevorzugt; für die Zubereitung von Getränken und Heilmitteln werden die aromahaltigen Blütenköpfchen gesammelt; als "Pflanzendoktor" steht die Kamille im Ruf, Nachbarpflanzen gesund und kräftig zu machen und außerdem lockern sie und ihren Verwandten Insekten an, die Schädlinge vertilgen. 

Anwendung in der Volksmedizin:

Tee, Aufguss, Nasenspülungen oder Waschungen, Bäder, Kompressen, Einreibungen, Essenzen, Duftkissen, Räuchern

Die Kamille wirkt entzündungshemmend, wundheilend, krampflösend, antiseptisch, schmerzlindernd, beruhigend, magenstärkend, menstruationsregulierend, antibakteriell, austrocknend, blutreinigend, harntreibend, schweißtreibend, tonisierend; 

Innerlich wurde sie früher verwendet bei Magen-, Darm- und Nierenkrämpfen, schmerzhafter Periode, neuralgischen und rheumatischen Beschwerden; 

Äußerlich bei Wunden, Abszessen, Furunkeln, Hautausschlägen, Altersjucken, Entzündungen von Mund und Rachen, Zahnfleischeiterung

Kamille ist eine Magnesiumpflanze; wer Mangel an Magnesium hat bzw. bei wem die Magnesiumaufnahme im Körper gestört ist, hat mit dieser Einschleuserpflanze eine biologische Formel gefunden, dem Organismus die Magnesiumresorption zu erleichtern

Besonderes:

- 3 Blüten für eine Tasse Tee

- war früher ein Haustee, auch zum Inhalieren

- sollte man NICHT für die Augen nutzen, denn der Tee wirkt austrocknend

- man findet Kamille in der Natur immer weniger

- bei der Echten Kamille ist der Blütenboden hohl, gewölbt und geruchhohl

- Chamazulen = ist ein Stoff, der in der Pflanze als Prochamazulen drin ist; erst durch die Wärmung, Aufgießung, wird ein Chamazulen freigesetzt, sonst nicht; bekommt dann eine bläuliche Färbung.

Homöopathie: 

Chamomilla D30, 1/2 stündlich zwei Stunden lang (danach 3x täglich 5 Globuli) bei Kinderkrankheiten wie Unruhe, Koliken, Kopf- und Ohrenschmerzen, Zahnschmerzen, saurem Aufstoßen und schwallartigem Erbrechen;

Chamomilla D2 bis D6 als Mittel bei Überempfindlichkeit aller Art, auch bei Zahnschmerzen, Kopfweh, Glieder- und Muskelschmerzen und Schmerzen im Magen-Darm-Trakt, mehrmals täglich 10 Tropfen.

Hildegard von Bingen:

Die Hildegard von Bingen sagte, "Nimm Metra, zerstoße sie zu Saft, gib etwas Kuhbutter dazu und salbe stark ein, wo es weh tut und es wird geheilt".

Kräuter zum Füllen von Duftkissen:

Steinklee, Kamille, Thymian, Pfefferminze, Kümmel, Anis, Fenchel, Koriander, Melisse, Majoran, Meisterwurz...........usw.

Kräuter als Badezusatz:

Echte Kamille, strahlenlose Kamille, Thymian, gewöhnlicher dost, Heublumen, Beifuß, Haferstroh, Eichenrinde, Weidenrinde, Kiefernzweigspitzen......usw.

Kamillen - Haarfärbung:

1 Hand voll Blüten mit 1/2 Liter kochendme Wasser übergießen, abkühlen lassen, abseihen und als Haarspülung verwenden, die vor dem Trocknen nicht ausgespült wird; macht blondes Haar gesund und glänzend. 

Für die Färbung zerreibt man getrocknete Blüten zu Pulver, gibt diesselbe Menge Kaolinpulver dazu, vermengt mit lauwarmen Wasser, bis eine dünne Paste entsteht. Diese massiert man in die Haare ein und lässt sie eine 1/2 Stunde einwirken. Anschließend auswaschen. Blonde Haare erhalten einen schönen Goldton.

Mystisches - Zauberhaftes:

- der süße Duft dieser goldgelben Blume symbolisiert bei den alten Griechen Bescheidenheit und machte die Kamille im Mittelalter zu einer beliebten Bodenstreu, um unangenehme Gerüche zu überdecken;

- bei den frühen germanischen Völkern war die Kamille so hoch geschätzt, dass sie zu den neun heiligen Kräutern zählte, die der Gott Wotan der Welt schenkte

- in Beatrix Potters wunderbaren "Die Geschichte von Peter Hase" bringt ihm seine Mutter liebevoll eine Tasse heißen Kamillentee, weil er Kopfschmerzen hat, bald darauf ist er wieder fit für Mr. McGregors Garten

- in die erste Garbe Heu steckte man früher Kamille und Johanniskraut, dann blieb Ungeziefer fern

- die Kamille galt als Sinnbild der Kraft, gepaart mit Bescheidenheit; die alten Ägypter weihten die Kamille der Sonne und hielten sie hoch in Ehren

- vor Schönheitsbehandlungen wurde Kamillentee serviert

Räuchern:

Kamille vermittelt bei der Räucherung Ruhe und Ausgeglichenheit; sie wird in der Volksmedzin empfohlen, wenn Ärger oder Trauer den Geist verdunkeln; Kamille wird auch bei Segnungszeremonien und bei Gebeten um finanziellen Erfolg verwendet; 

Tiermedizin:

Die Kamille entfaltet auch bei Tieren eine krampfstillende, blähungstreibende und wundheilende Wirkung. 

In der taditionellen Tierheilkunde wird sie innerlich als Tee und äußerlich zur Wundreinigung angewendet.

Die Kamille wird als Salben und Ölen zur Abwehr von Fliegen und Mücken sowie zur Juckreizlinderung eingesetzt.

Bei Hunden und Hühnern mit Darmbeschwerden oder mit Durchfall wurde früher Kamillentee verwendet.

Bei Pferden, Eseln und Hunden hat sich eine Kräutermischung aus Salbei, Anis, Kamille, Malve, Huflattich, Spitzwegerich, Schafgarbe, Königskerze und Lungenkraut gegen Atemwegserkrankungen bewährt. Die Pflanzen können frisch bzw. als Absud dem Futter beigemischt werden.

Das Märchen von der Kamille:

Am Rande des Dorfes wohnte ein junges Mädchen, das von allen nur "Kummerblume" genannt wurde. Nicht weil sie selbst soviel Kummer hatte, nein, im Gegenteil, sie war so fröhlich und bescheiden, so schön und zart, dass sie allen Kummer fortnehmen konnte. Sie spürte, wenn die Leute wirklichen Kummer hatten oder ob sie nur zu faul waren, den wahren Grund ihres Kummers zu betrachten. Mit Kummerblumes Hilfe entdeckten sie dann nämlich, dass ihr Kummer meist überflüssig war, und gingen zufrieden nach Hause.

Kummerblumes Haus war sehr klein, sie wohnte ganz allein darin und benötigte nicht viel für ihr Leben. Außer der Tür, durch die Kummerblume aus und ein gin, gab es noch eine zweite im Haus, die das Mädchen immer, Sommer und Winter, mit frischen Blumen geschmückt hatte. 

Kam jemand mit großem Kummer in ihr Haus, sagte sie nur: "Geh durch diese Tür, und du wirst deinen Kummer erkennen und ihn dortlassen!"

Da kam der reiche Bauer, dessen Kummer war, seinen Reichtum zu verlieren.

"Geh nur", sagte die Kummerblume und wies auf die geschmückte Tür. Der Bauer öffnete sie und trat in ein Wunderland: Die Wiesen trugen ihr üppigstes Sommerkleid, die Baumdamen hatten ihre Fruchjuwelen aus den Schatzkisten geholt, und im Hintergrund gab der Vogelchor ein Konzert.

"In so einer Welt müßte man leben, dann hätte man keinen Kummer mehr!" rief der Bauer.

"Du brauchst sie nicht einmal kaufen, es ist ja deine Welt, durch die du täglich wanderst!" sagte eine Stimme.

Da war der Kummer weg, und der Bauer sah, wie reich er wirklich war!

Der Bürgermeister kam und beklagte sich, dass seine Frau so mürrisch wäre und er ohne Kuss ins Bett gehen müsste.  Kummerblume sagte nur :"Geh nur!" und schickte ihn durch die Tür. Der Bürgermeister öffnete sie und stand mitten in einem Wirtshaus und sah sich selbst an seinem Stammtisch sitzen und Bier trinken und große Sprüche klopfen. Und sah sich spät in der Nacht nach Hause torkeln.

"Das bin ja ich!" rief er entsetzt und wusste mit einmal, woher es kam, dass seiner Frau die Küsse nicht mehr schmeckten.

Vor allem aber kamen die Leute des Dorfes, wenn der Kummer einer Krankheit wegen war.

"Geht nur durch diese Tür", sagte die Kummerblume zu einer Frau, die vor lauter Niesen und Schneuzen kaum grüßen konnte.

Als sie durch die Tür getreten war, lag vor ihr ein kleiner See, der dampfte wie ein Vulkan. "komm, setz dich an mein Ufer und atme", rief der see ihr zu. Und nachdem die Frau ihn einige Tage hindurch besuchen gekommen war, fühlte sie sich wieder gesund und fröhlich!

"Meine Tür wartet schon auf dich", sagte Kummerblume zu einem jungen Mann, der von einem Pferd getreten worden war und eine große Wunde am Bein hatte. Als er die Tür öffnete, getraute er sich zuerst nicht einzutreten: Vor ihm breitete sich eine blaue Himmelswiese aus, auf der einige Wolkenschafe grasten. Eine Wolke kam auf ihn zu, er setzte sich darauf und schwebte davon. Die Wolkenschafe hüllten das verletzte Bein ganz mit ihrem Weiß ein, und so flogen sie eine Weile dahin, bis er keine Schmerzen mehr spürte. Als der junge Mann wieder durch die Tür an der Rückwand der Stube ins Haus der Kummerblume trat, war die Wunde am Bein geheilt!

"Hab keien Angst, hinter der Tür erwartet dich nur Gutes", sagte die Kummerblume zu der Frau, die ihren Kummer im Magen trug. Die Frau sah einen Berg, aus dem heißes Wasser floß. "Trink mich", rief das Wasser.

"Leg dich auf mich und rolle dich", rief die Wiese am Fuße des Berges.

Und die Wasserelfen drehten sich im Magenrad und verjagten alle bösen Geister, die sich dort zu einem Fest getroffen hatten.

Nun kann man sich aber vorstellen, dass die Leute, die auf ihren Kummer auch noch stolz waren, und die Leute, die sich nicht getrauten, ihren Kummer der Kummerblume anzuvertrauen, dass diese Leute ihr nichts Gutes wünschten. Üble Worte liefen durch das Dorf, und da und dort blieben diese Worte auch hängen und wurden größer und böser: eine Hexe soll sie sein, die Kummerblume!

Und immer weniger und weniger Leute getrauten sich, zu ihr zu gehen, aus Angst, man könnte glauben, sie vertrauten einer Hexe.

Bald kam niemand mehr zu dem Mädchen, das am Rande des Dorfes wohnte. Eines Tages waren die bösen Worte so gewachsen, dass sie alle Köpfe umschwirrten. Die Dorfbewohner zogen mit Mistgabeln und Fackeln hinaus vors Dorf und riefen: "Brennt die Hexe! Brennt die Hexe!"

Als der Schlimmste von allen, der Schwarzgekleidete, an ihre Tür klopfte, rührte sich nichts. Als sie das Haus aufbrachen, fanden sie nichts. "Dort ist die Hexentür", riefen die Leute. "Dort hinaus wird sie geflüchtet sein".

Nur der Schwarzgekleidete getraute sich, die geheimnisvolle Tür zu öffnen. Er riss sie auf und.......... vor ihm lag eine Wiese, auf der unzählige Kamillen blühten.

Die Kummerblume aber wurde niemals mehr gesehen.......

(Verena Lanz)

 

 

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BEIFUSS - ARTEMISIA VULGARIS

Der Name Artemisia stammt von der Göttin Artemis / Diana, der Schutzherrin der Heilkräuterkundigen; für die germanischen Stämme galt der Beifuß wohl als die mächtigste aller Pflanzen - Mugwurz - Machtwurz wurde er genannt.

Der Beifuß gehört zur Familie der Korbblütler - Asteraceae; und kommt fast auf jeden Boden vor, an Wegrändern, Geröllplätzen, Saumhecken, Ufergebüsch, liebt Halbschatten wie auch Sonne, ist fast in allen nördlichen Gebieten der Erde verbreitet; der Beifuß gehört auch zu den Stickstoffanzeigern; 

Geschichte des Beifußes:

Die Ärzte der alten Griechen und Römer, wie auch Hippokrates, Dioskurides und Plinius, betrachteten den Beifuß in erster Linie als Frauenkraut und setzten ihn bei gynäkologischen Erkrankungen ein. Es ist allerdings nicht deutlich genug überliefert, welche Artemisia Art zur Anwendung kam. So wurde der Beifuß als Gebärmutter-Mittel verordnet und galt als menstruationsfördernd, aber auch als Magen stärkend, wassertreibend und er wurde als Pflaster auf schmerzende Geschwüre gelegt. Diese Anwendungen liest man auch bei Paracelsius und bei der Hl. Hildegard von Bingen. In den letzten Jahrhunderten kamen noch viele weitere Anwendungsgebiete dazu. Besonders häufig gab man Beifuß bei krampfartigen Beschwerden. Für die Moxibustion - das Abbrennen kleiner Kegel - war Beifuß eine sehr gebräuchliche Heilfplanze in Japan und China.

Volksnamen: 

Stabkraut, Gänsekraut, Besenkraut, wilder Wermut, Dianakraut, Weiberkraut, Fliegenkraut, Beinweichkraut, Bibiskraut, Buckell, Jungfernkraut, Machtwurz, Mugwurz, Sonnwendgürtel, Sonnenwendkraut, Thorwurz, Wisch, Bibot

Thorwurz bezieht sich auf den germanischen Donnergott, der den Zaubergürtel Megingjardr. besaß. Mit diesem Gürtel aus Beifuß konnte er seine Kraft verdoppeln und so seine gefährlichen Reisen und Kämpfe bestehen;

Inhaltsstoffe:

Ätherisches Öl mit Cinol, Bitterstoffe, Inulin, Vitamin A, B, C, Gerbstoffe, Thujon, Kampfer, Flavonoide, Flavonglykoside, Terpinenol, Glykoproteine, Cumarine

Aussehen: 

Der Beifuss ist ein mehrjähriger Strauch, hat meist aufrechte Stengel, spärlich behaart, hat fiederteilige Laubblätter;

Die Blattoberseite ist grün, die untere Seite ist grau-weißlich und behaart; in endständigen, rispigen Blütenständen stehen viele körbchenförmige Teilblütenstände zusammen; 

Die Blütenkörbchen enthalten Röhrenblüten, außen sieben bis zehn weibliche und innen (selten fünf bis acht) bis 20 zwittrige; die eiförmigen Hüllblätter sind filzig behaart; die gelblichen bis rötlich-braunen Röhrenblüten sind 1 bis 3mm lang; die Blütezeit erstreckt sich von Juli bis September;

Die Frucht ist eine einsamige Nuss;

Die ausdauernden Pflanzen erreichen eine Höhe von 50 bis 150 cm; 

Verwechslungen möglich mit:

- Echtem Wermut = Blüte gelb, Blätter silbergrau - seidig, filzig, stark aromatisiert, herb - würzig - bitter

- Eisenhut = STARK GIFTIG = vor der Blüte leicht zu verwechslen, da Blätter starke Ähnlichkeit haben

- Rainfarn = Blätter sind an der Unterseite nicht weiß gefilzt

Anwendung in der Volksmedizin:

Tinktur, Öle, Tee, Kräuterkissen, Räuchermischungen, Moxakegel und Moxazigarren, Badezusatz, Kräutersalz, Suppenbeigabe, Salat, Aperitiv

Der Beifuß wirkt appetitanregend, verdauungsfördernd, antibakteriell, antimykotisch, beruhigend, durchblutungsfördernd, galletreibend, krampflösend, menstruationsfördernd, stärkend

Wurzel wurde in der Volksmedizin zur Gehirnverbesserung genommen

Das Kraut als Badezusatz = ""Bist du schlecht zu Fuß - nimm Beifuß""

Tee wird in der Volksmedzin bei Mundgeruch, Übelkeit, Unruhe, Verdauungsschwäche, Wechseljahrsbeschwerden, Menstruatuionsbeschwerden getrunken;

Besonderes:

- der Beifuß ist ein Korbblütler OHNE Zungenblüten, nur Röhrenblüten; 

- gehört zu den ältesten Heil- und Zauberpflanzen

- er ist leicht zu erkennen an der 2-farbigen Blattseite = oben dunkel unten hell; 

- Schutzpflanze - auch zum Räuchern

- verkehrt hängend trocknen, und nur die Rispen in der Blüte ernten

- als Gewürzsalz und Kräuter bei fetten Speisen beilegen (z.B. Gänsebraten)

- die Blütenrispe ein gutes Gewürz für eine bessere Fettverdauung

- junger Beifuß kann als Spinat verwendet werden

- Beifuß kann auch in der Suppe eine Verwendung finden

- der chinesische Beifuß ist das Moxakraut = Moxen = aufgeriebene Beifußblätter (Samen) werden auf Akupunkturpunkten geräuchert

- beim Wandern für die Fußschmerzen = Blätter in den Schuh reinlegen, mit der hellen Seite zur Fußsohle

TCM = Traditionelle chinesische Medizin:

Die Blätter haben eine warme thermische Wirkung und die dazugehörigen Organe sind Milz, Leber und die Nieren; die Pflanze steht als Moxakraut, in Bezug zu den zwölf Meridianen; aus getrockneten Blatt- und Stängelteilen presst man kleine Kegel, die über Akupunkturpunkte gesetzt und angezündet werden; die Kegel glimmen langsam vor sich hin, bevor sie abgebrannt sind, werden sie entfernt; hier heilt allein der Duft, er entspannt und dringt über die Haut in verkrampfte Körperregionen ein; es hilft bei Kopfschmerzen, Kreuzschmerzen oder Krämpfen in der Magengegend

Hildegard von Bingen: 

Hildegard von Bingen sagt, wenn jemand an Schmerzen leidet, wenn er isst und trinkt, dann sollte man Fleisch oder Fett mit dem Beifuß kochen; die Fäulnis, die er sich durch frühere Speisen zugezogen hat, nimmt der Beifuß weg; er heilt kranke Eingeweide und wärmt den kranken Magen

Räuchern:

Die verwendeten Teile sind die Rispen mit Blüten; Anwendung für = 

- Dankesopfer an Göttern

- Schutz gegen Dämonen

- energetische Reinigung

- in Räuchermischungen zu Jahreszeiten wie Sommer - Wintersonnwende, Rauchnächte, Samhain..................

- Hebammenkraut öffnet und wärmt den Unterleib

- Blütenräuchern öffnet den Geist und oberes Chakra

- Abendräucherung in Mischungen ist schlaffördernd

- Sterbebegleitung, Trauerbewältigung

Tiermedizin:

Teekuren bei Kühen, die nicht "stierig" werden und Moxibustion

Anderes:

Beifuß ist eine der 48 Bergblütenessenzen = Hilfe für feiner Wahrnehmung, Hinhören auf innere Stimme und geistige Klarheit

Mugwort = eine der 103 kalifornischen Essenzen

Parfumerzeugung = durch Wasserdampfdestillation wird aus der getrockneten Pflanze Parfumöl (Essence d´Armoise) gewonnen

Rezepte

Findet Ihr auf der Seite "REZEPTE" einige davon;

Mystisches - Zauberhaftes 

- Am Vorabend der Sommersonnwende lodern nach altem, in ganz Europa verbreitetem Brauch überall die Sonnwendfeuer empor. An diesem Tag gürtet man sich mit Kränzen aus Beifuß (und Eisenkraut), den Sonnwendgürtel und wirft diese schließlich ins Feuer; damit hat man Feuer alle im kommenden Jahr möglichen Übertragungen von Krankheiten übergeben und sich selbst gesund gemacht. SPRUCH: "Es gehe hinweg und werde verbrannt mit diesem Kraut all mein Unglück!"

- Wurde an Johannisabenden gesammelt und zum Schutz gegen Hexen und Spuk im Haus und im Stall aufgehängt

- Beifuß ist der erste der neun Wunderzweige, mit denen der ekstatische Schamanengott Woden (Odin) die giftige krankheitsbringende Schlange schlug. Der Zaubergott und nach ihm die verehrenden Kräuterkundigen sprachen die Pflanze mit folgenden Worten an:

Erinnere dich, Mugenwurz, was du verkündetest,

was du feierlich festgesetzt hast.

Una heißt du, Älteste der Kräuter,

Macht hast du gegen dreißig und gegen drei,

Macht gegen das fliegende Gift,

Macht gegen das Übel, das über das Land fährt

- Kulturhistorisch ist der Beifuß mit Frau Holle verknüpft (der Holder = "der Verborgenen"), der Bertha, Bächteli oder Percht deren Bild eine Urerinnerung an die große paläolithische Göttin darstellt, die Personifizierung der Mutter Erde, der Großmutter aller Geschöpfe ist; Sie ist die Wilde mit zersaustem Haar, die mit der Gänseschar fliegende Schamanengöttin, die Schicksaalsspinnerin, die Höhlenfrau, die Herrin des brodelnden Zauberkessels, das Gänsemädchen, die Gefährtin des Geweih tragenden Gottes, die Beschützerin der Toten und der Naturgeister. Ihr Bild lebt weiter in den Sagen und Märchen, wie z.B. bei Frau Holle der Gebrüder Grimm, in den indianischen Sagen der "Großmutter unter der Erde" oder bei den Griechen, in der Gestalt der wilden, der unbezwingbaren Göttin der Wildnis der Artemis, der Tierherrin der Bärin und der ersten Hebamme. Nach ihr benannten die alten Griechen die graue würzig aromatische Staude aus der großen Familie der Korbblütler.

- In Ägypten ist der Beifuß der Göttin Isis, in Indien der Gottheit Shiva geweiht

Pflanzen reden - ein Märchen

"Wie war das?" fragte das kleine Pflänzchen seine Nachbarin, die große Königskerze, "was soll ich nicht vergessen?". Die Königskerze wiegte sich im Sonnenwind, genoss die Morgenluft und wartete mit der Antwort. Auch hatte sie mit den vielen Besuchern zu tun, die auf ihren Blüten krabbelten und den Blütenstaub holten. Sie war freundlich und gab gerne von ihrer Fülle, wenn auch diese vielen Tierlein etwas lästig waren. Am liebsten stand sie da und streckte ihre Blüten und Knospen der Sonne entgegen und wiegte sich im warmen Sommerwind.

Sie lenkte ihre Aufmerksamkeit zu dem kleinen Pflänzchen, das vor ein paar Tagen neben ihr aus der Erde aufgetaucht war und ganz schnell größer wurde. "Du sollst deine Bestimmung nicht vergessen und du sollst wissen, dass du ganz bestimmte Eigenschaften oder Talente hast, die der Grund dafür sind, dass du bist, wie du bist. Während deiner Entwicklung kannst du diese Eigenschaften zum Wohle aller nützen, sie vielleicht noch weiter ausbauen. Du kannst sie aber auch ganz einfach vergessen, dann lernst du irgendwann irgendwo in ferner Zeit an einem anderen Ort dazu."

"Was ist Bestimmung? Was sind Talente?" fragte die junge Pflanze ganz begierig, mehr zu hören. "Lass mir ein wenig Zeit, ich werde nachdenken, wie ich dir das erklären soll." So begann eine Zeit des Wartens, der Ungeduld und des Heranwachsens für das Pflanzenkind. Menschenkinder sind in dieser Zeit voll Neugier, laufen herum, erkunden die sichtbare Welt und können nicht genug bekommen allerhand zu erleben, Erinnerungen zu horten und auch schon Erfahrungen zu machen.

Pflanzen stehen auf einem Platz, sind gebunden an einen festen Standort auf der Mutter Erde. Sie bietet ihnen Nahrung und Halt. Pflanzen senken ihre großen und kleinen Wurzeln so tief sie können in den Boden, um möglichst viel von der Mutter Erde zu ertasten, erfühlen und genießen zu können und das alles in dem Rahmen ihrer ganz speziellen Fähigkeiten.

Drei Wochen später sprach die Königskerze zum Beifuß, der nun bereits 2/3 der Größe seiner Nachbarin erreicht hatte. "Du fragst was Bestimmung ist. Ich will dir meine Gedanken zu sagen. Jedes lebendige Bewusstsein, alles in der Natur hat den Wunsch, dazuzulernen. Alles was lebt, ist durch das Sein, mit dem Leben selbst verbunden. Das du neben mir stehst, ist ein Teil meiner und deiner Bestimmung und wir beide wollten es so, auch wenn wir jetzt nichts davon wissen. Ich werde bald meine reifen Samen verstreuen und welken und bin froh, dass du mich zum Denken gebracht hast. Wie ich das sehe, ist unsere Bestimmung auf Erden einerseits neuen Individuen, die sich danach sehnen hierher zu kommen, die Gelegenheit zu bieten, Leben durch unseren Samen und unsere Früchte zu schaffen. Manchen Lebewesen bleibt neben dem Früchte tragen kein Raum und keine Zeit mehr über sich selbst zu erfahren - dann ist das für diese wohl so richtig. Wir sind hier, um zu erkennen, wer wir sind. Alles in der Natur, ob Mensch, Tier oder Pflanze hat ein ewiges Wesen, ist auf der Reise von einem Anfang zu einem neuen Anfang. Meine persönliche Erkenntnis ist, dass ich als Königskerze das Talent habe, diesen kargen Boden zu lockern, dass meine einzelnen Blütenkronen bereits in kleinen Mengen den Menschen bei Entzündungen im Mund- und Rachenbereich und bei Reizhusten helfen zu heilen. Ich empfand große Freude als eine Frau zur Mittagszeit gerade die schönsten Blütenkronen abnahm, und daraus einen Tee zum Gurgeln für ihr Kind zubereitete. Mein Talent half dem Kind seine Halsentzündung zu heilen. Indem ich das erkannte, wusste ich ein wenig besser, wer ich bin". Der Beifuß senkte seine höchste Pflanzenspitze und flüsterte beschämt: "Das kann ich alles sicher nicht und ich merke mir auch nichts davon, was du mir erzählst - mein Kopf ist voll, da geht nichts hinein. Ich bin ganz verzweifelt." Da lachte die Königskerze und die Menschenkinder hörten es als ein leises Klingen, wenn sie sich zu ihr neigten. "Dein Bruder der Douglas-Beifuß, oder Mugwort auf Englisch - vermag als Blütenessenz das Gleichgewicht zwischen Wirklichkeit und Traumwelt bei Menschen herzustellen. Er hilft Erlerntes im täglichen Leben anzuwenden und segensbringend umzusetzen.

Du selbst wirst sehen, wenn deine silbernen Knospen kommen, dass die Menschen sie holen, um sie ihren allzu fetten Speisen beim Kochen beizufügen. Du löst so Verdauungsprobleme. Allerdings ist deine Kraft so stark, dass nur kleinen Mengen deiner Knospen hilfreich sind und große Mengen Schwierigkeiten bringen. Es kommt auf das rechte Maß in allen Dingen an."

"Heißt das, ich kann den Menschen helfen vollkommen zu werden?" fragte der Beifuß, der nun aufrecht dastand und aussah als wäre er bei diesen Worten um einige Zentimeter gewachsen. Lächelnd antwortete die Königskerze: "Weil du gar so geduldig zuhörst, will ich dir ein Geheimnis sagen, das ich für mich entdeckt habe. Wo Natur ist, ist Streben nach Vollkommenheit. Dort ist Liebe und Licht ohne Ende. Wenn aber diese Vollkommenheit erreicht ist, ist das Leben als Ausdruck des Strebens nach der Vollkommenheit eigentlich nicht mehr notwendig. Da wir alle ewige Wesen sind, sind wir auf dem Weg zu diesem Ziel und müssen lernen, mit jedem Ende und neuen Anfang hier und dort, wo uns Gott hinführt, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Wenn wir bei allem was wir tun und was wir erfahren die Liebe nicht verlieren, sind wir auf einem guten Weg. Gereiftes können wir getrost der Urkraft des Himmels und der Erde anvertrauen, damit es verwandelt neu entsteht."

Eine schottische Sage berichtet:

Als man ein junges Mädchen, das an Schwindsucht litt, am Ufer des Flusses Clay vorbeitrug, tauchte eine Meerjungfrau aus den Wellen auf und sang mit trauriger Stimme:

Ihr lasst sterben das Mädchen in eurer Hand 

und doch blüht die Mugwurz rings im Land!

Als das arme Kind bald darauf starb und ihre Leiche am Hafen von Glasgow vorbei getragen wurde, erschien die Meerjungfrau abermals und klagte mit leisem Gesang:

Wenn sie Brennnesselsaft tränke im März und Beifuss ess im Mai

so ging noch manche fröhliche Maifd munter am Ufer der Clay.

(Verena Lanz)

 

 

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GUNDELREBE - GLECHOMA HEDERACEA

Gundel bedeutet Hochdeutsch Eitel, unter dem war es früher bekannt; 

Die Gundelrebe gehört zur Familie der Lippenblütler - Lamiaceae; und sie kommt auf feuchte, nährstoffreiche Standorte vor, wie auch auf Wiesen, Wege, Zäune, Waldrändern, Hecken, Gebüschen, Misch- und Auwälder sowie auch in Gärten. 

Die Botschaft des Gundermanns

Dr kleine Drache Erdonai lag in seiner Erdhöhle und hatte das Vertrauen in sich und die Welt verloren. Seit Wochen plagten ihn die fürchterlichsten Zahnschmerzen und schon die kleinste Bewegung seines Kiefers tat ihm weh. An Fressen war gar nicht zu denken und so war er schon zu einer kümmerlichen Ranke von Drachen zusammengeschrumpft. Vom Feuerspeien, was seine besondere Spezialität war, suchten ihn nicht einmal mehr Träume heim. Kurz gesagt, er fiel gerade in eine lethargische Starre, die, wie wir wissen, bei Drachen automatisch in einen Versteinerungsprozess führt.

In seinem Jammer schob er seinen Kopf mit einem langen Kiefer noch einmal über seine geliebte Erde, um sich dann in sein Schicksal der Erstarrung zu ergeben. Doch just bei dieser scheinbar letzten Bewegung wickelte sich um sein Maul und seine Zähne eine lange, seltsam tiefwürzig duftende Ranke herum, sodass Erdonai glaubte, auf der Stelle ersticken zu müssen. In seiner Todesangst warf er seinen Kopf hin und her und versuchte, ihn aus der Gefangenschaft zu befreien. Da machte es "krach" und "plopp" und ein Zahn flog in weiten Bogen über das Land.

Dicker, gelber Eiter floss aus dem Zahnloch und Gundermannsaft netzte die Wunde. Ahh, welche Erleichterung, welche Wohltat! Ab diesem Moment wollte der kleine Drache Erdonai auf keinen Fall mehr sterben, sondern leben. Und wie er leben wollte, lustvoll und froh. Er würde Feuer speien über die ganze Erde, jedoch kein Feuer der Verwüstung sollte es sein, sondern ein Freudenfeuer, hell, klar und warm. Alle, die es sahen, würde es anstecken und die Freude und das Vertrauen in die Schöpfung würde dabei erwachen. Ja, so sollte es sein.

Volksnamen:

Gundermann, Erdefett, Maßhold, Zickelskräutchen, Blauhuder, Gunelreif, Wilde Petersilie, Zwickelkraut; weitere Namen der dem Gewitter- oder Donnergott (Donar) geweihten Ranke: Erdefeu, Donnerrebe, Gundam, Hederich, Guck-durch-den-Zaun, Katzenminze, Erdcha

Inhaltsstoffe:

Gerbstoffe, ätherische Öle, Bitterstoffe, Kalium, Saponine, Harz, Vitamin C, organische Säuren, Schleimstoffe, Wachse, Zucker, 

Aussehen:

Die Blüten sind kleine Lippenblüten, blau bis violett, zu zwei und drei in Scheinquirlen, Blätter graugrün, nieren- bis herzförmig, gekerbt, gegenständig; Stängel vierkantig kriechend, am oberen Teil aufsteigend und behaart; Höhe 15 bis 60cm

Verwechslung: 

Gundelrebe kann mit dem kriechenden Günsel (Ajuga reptans) verwechselt werden = Blätter spatleförmig, Blüten blau und in pyramidenförmigen Blütenstand

Anwendung in der Volksmedizin:

Tee, Salbe, Gurgelwasser, Saft, Umschläge, Gewürz

Gundel = germ. Eiter = wirkungsvoll gegen Eiter = einziges Mittel gegen eitrige Lungenbläschen und bei kleinen eiternden Verletzungen 

Gundelrebe ist ein guter Bestandteil von Hustentee; 

Der Tee hilft bei Bettnässen, Blasenkatarrh, Menstruationsbeschwerden

Regt die Drüsen an, leitet auch aus z.B. Giftstoffe, Schwermetalle

Als Salbe vom ganzen Kraut gemacht, ist wurde es in der Volksmedizin genommen zum Heilen von Sehnenverkürzung

Das Gurgelwasser nimmt man in der Volksmedizin zum Spülen bei Mundfäule, Entzündungen der Mundschleimhaut; zum Spülen von Nase und Mund (Zahnschmerzen) und bei infizierten Wunden; 

Als Gewürz genommen bei z.B. Suppen, Quark, Butter, Gemüse, Fleischgerichten, Bowle und vieles mehr.......

Homöopathisch wird es angewandt bei Hämorrhoiden, Durchfall, Husten

Besonderes: 

- ist ein Bodendecker mit angenehmen Duft

- blaue Blüte ist eine Schmuckdroge für verschiedene Tee´s 

- schmeckt herb, bitter, frisch

- bildet durch die Ausläufer Hexenringe

- Wunderbarer Wildsalat mit sehr viel Vitamin C

- alles grüne frisch geerntet, besitzt viel Vitamin C, aber schon nach einer 1/2 Stunde später verfliegt das Vitamin, sollte man sofort nutzen und immer dunkel lagern

- ist ein Kalium Nahrungsergänzungsmittel

- Nutzung als Gewürzkraut und trocken als Gewürzsalz (Kräutersalz)

- gute Delikatesse als Nachspeise = Blätter in Schokolade tauchen = schmeckt ähnlich wie After Eight

- wenn Pferde zuviel davon fressen, ist es giftig für sie = für Pferde zu stark, für den Menschen wunderbar = die Lippenblütlen des Gundermanns

- Tee von den Blüten und Blättern zubereiten = eine Woche lang ca. trinken nach dem Röntgen, nach einer Chemotherapie, wirken unterstützend und regen die Drüsen an

- begehrtes Mittel bei Bergleuten = vor sie in den Berg hinein gefahren sind, haben sie Gundelrebe-Milch aufgekocht und getrunken, damit sie geschützt sind;

- Ohrstärkung = 1/3 Pflanze und 2/3 Alkohol = Tinktur hinter dem Ohr streichen

- in der Walpurgisnacht hat man früher Kränze mit Weiden gemacht für die Frauen und unter anderem auch die Gundelrebe mit rein gebunden; früher wurden die Frauen zur Walpurgisnacht gestärkt und durch diese Blimenkränze war es ein Dankeschön für die Pflanzen, dass sie sie das ganze Jahr begleiten; 

Wissenswertes:

Gundelrebe ist eine Heilpfanze, die fähig ist, antibiotikaresistente Eitererreger im Wachstum zu hindern. Eine innere Einnahme als Tee oder Tinktur kann kombiniert werden mit einer äußeren Anwendung. Im Frühjahr sammeln wir das Kräutlein samt Stängel, Blätter und Blüten und erhalten bei schonender Trocknung die volle, vitale Kraft der Heilpflanze.

Bei chronischem Husten wirkt sie schleimlösend und schleimverflüssigend auf zähem Schleim. Sie stärkt die Bronchien und die Lungen und heilt Entzündungen im Mund- und Rachenraum.

Weiter wandert sie auf ihrer Heilreise durch den Körper und unterstützt dabei den Magen, die Leber und die Galle. In der Beckenschale angekommen, hilft sie bei allen Blasen- und Nierenthematiken und beruhigt eine lästige Reizblase.

In der Volksmedizin wird sie auch für Menschen mit lymphatischer, skrofulöser Konstitution angewandt, welche oft durch Übermüdung geschwollene Lymphdrüsen haben. 

Sie entsäuert und löst Zahnstein, Weinstein und Kesselstein auf.

Aus dem Weisheitsschatz der Alten:

Als altes Heiler- und Gürtlerkraut durfte es bei vielen Frühlingszeremonien und Ritualen nicht fehlen. Frauen trugen es als Kranz im Haar und Männer gürteten ihre Lenden mit dem grünen Kraftgurt. Es half, Altes loszulassen und sich mit neuer, vitaler Lebensenergie zu durchströmen.

Hildegard von Bingen (12. Jh.) weist auf die Heilwirkung bei Brust-, Lungen- und Hautleiden hin, ebenso bei Magenverstimmung, Galle-, Leber- und Nierenthematiken. 

Als Ranke auf dem Rücken und Schenkel gelegt, erleichtert Gundermann die Geburt.

Der Arzt Tabernaemontanus (16. Jh.) empfahl Gundelrebe zur Schärfung des Gehörs: "Gundelrebensaft ins Ohr geträufelt, bringt das verlorene Gehör zurück und ist auch gut wider das Zahnweh."

Der frische Saft der Pflanze in Ziegenmilch gesotten wurde als Mittel bei Lungen-TBC verwendet. 

Bergleute wie auch die alten Maler tranken Gundelrebentee in dem Wissen, dass er Schwermetalle, besonders Blei, aus dem Leib ausleiten kann. 

Früher brauten die Menschen aus dem Donarkraut ein herbes, obergäriges Bier.

Tödliche Pflanzen für die Pferde:

- Eibe 0,2 bis 0,3g /kg Pferd ist tödlich = innerhalb von 5 Minuten

- Amerikanische Goldrute = wenn sie zu viel fressen davon

- Gundelrebe = wenn sie zu viel fressen davon

- Jakobsgeißkraut und das südafrikanische Geisskraut = wenn sie zu viel fressen

- Liguster

- Kanadische Goldrute

In der Silage verliert es seine Giftigkeit; beim Trocknen vergehen viele Giftstoffe; 

Rezept für Cellulite:

(Wurde früher hergestellt) - 1/3 Efeu und 2/3 Gundelrebe in Öl ansetzen für ca. 5 Wochen, abseihen und dann einreiben; strafft und bindet das Gewebe

(Verena Lanz)

 

 

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HEILPFLANZE DES JAHRES 2017

DAS GÄNSEBLÜMCHEN - BELLIS PERENNIS

Wie entstand der Name Gänseblümchen? 

"Bellis" kommt von bellus = hübsch, niedlich und perennis heißt ausdauernd, weil es so lange blüht. Der deutsche Name entstand wohl daraus, dass es von den Gänsen als Leckerbissen verzehrt wird. Die Bezeichung "Regenblume" hat die Pflanze, weil sie sich bei Regen und in der Nacht schließt.

Die Botschaft des Gänseblümchens

Eines Morgens stand am blauenden Himmel blank geputzt die Venus und sie hatte dabei die seltene Ehre, flankiert zu sein von Sonne und Mond. Könnt ihr euch vorstellen, was bei diesem Stelldichein geschah? Sie umarmten sich freudig und ihre Energien tanzten kleine, goldene Kreise. Silberweiße Strahlenfunken sprühten dabei und verteilten sich über die ganze Erde. Aus jedem Funken wuchs eine zarte Pflanze in Gold, Weiß und Grün empor und errötete leicht, als sie sich selbst erkannte.

Ja, so wurde ich geboren, das Gänseblümchen. Seit jener Zeit recke ich meinen Kopf aus jeder grünen Wiese, öffne meinen Blütenkranz der Sonne und verschließe ihn des Nachts oder bei Regen, um vom Mondlicht zu träumen. In tiefer Freude und der mir eigenen Heiterkeit lebe ich unter den Erdenkindern und erinnere sie in jedem Monat des Jahres daran, dass sie verbunden sind mit der großen Zahl der Himmels- und der Sternenkinder. Unschuld, Reinheit und Freude leben als Zeugungsgeschenk in jeder Zelle meines Wesens und geben mir zarte, doch kostbare Kraft. Gern, ja gern, beschenk ich damit dich und mich.

Volksnamen: Augenblume, Gänseliese, Maßliebchen, Tausendschön, Maiblume, Himmelsblume, Mondscheinblume, Mümmeli, Regenblume, Angerbleamerl, Möppelchen,Katzenblümchen, Arnika der Kinder

Das Gänseblümchen gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae); ursprünglich ist es in Südeuropa heimisch, doch schon im Altertum kam es nach Mitteleuropa;  in jüngerer Zeit gelangte es auch nach Asien und Amerika. Es kommt in Wiesen, Weiden, Parks, Gärten und eigentlich auf jeden Boden vor; bevorzugt sonnige bis halbschattige Standorte und feuchten und nahrhaften Boden.

Eindeutige Merkmale : ist ein kleines Blümchen, ist mehrjährig, verziert Wiesen mit weiß-gelben Tupfern, hat 1 Blütenkörbchen mit grundständiger Blattrosette und besitzt viele weiße Zungenblüten und gelbe Röhrenblüten im Inneren. 

Es hat Ähnlichkeiten mit Margeriten, Kamille oder Mutterkraut, aber nicht zu verwechseln, da es viel kleiner ist. 

Haupt-Inhaltsstoffe: Blätter und Blüten = Bitterstoffe, Gerbstoffe, Schleimstoffe, ätherisches Öl, Saponine, Inulin, Flavonoide, Fumarsäure

Magisches : Nach der Legende ist das Gänseblümchen aus den Tränen entstanden, die Maria auf der Flucht nach Ägypten geweint hat. Eine andere Überlieferung spricht von den Tränen der Helena. Das Gänseblümchen war bereits bei den alten Germanen eine Blume der Göttin Freya, ein Symbol für Fruchtbarkeit und Neubeginn. Wie vielen anderen Frühlingsblumen schreibt man auch den drei ersten im Jahr gefundenen Gänseblümchen besondere Heilkraft zu. Drei mit dem Mund abgebissene und verschluckte Gänseblümchen heilen Magenbeschwerden. Die zu Johannis zwischen 12 und 1 Uhr gesammelten Gänseblümchen, steckt man zu sich, in ein Papier gewickelt, wenn man ein besonderes Geschäft zu erledigen hat. Die Blüten sind verlässliche Wetteranzeiger. Wenn sie am Morgen geschlossen bleiben, wird es tagsüber kaum Sonne, sicher aber Regen geben. Blume der Liebe, des Glücks, der Sexualität und der Heilzauber; 

Verwendung als Heilpflanze : verwendete Teile = Blätter und Blüten = sie wirkt = blutreinigend, blutstillend, schleimlösend, wassertreibend, krampfstillend, Stoffwechsel anregend, Erkältung, Verstopfung, Hautkrankheiten, Hautausschläge, unreine Haut, Wunden, Verstopfung, Appetitlosigkeit, schmerzstillend, Quetschungen, Verstauchungen;

Verwendung als : Tee, Tinktur, Frischsaft, Umschläge, Bäder, Waschungen, Salatbeigabe, Kapern, Aufstrich, Einlauf, Sirup, Gelee, Suppe, Essig, Butter, Salbe, Essenz, in der Kosmetik, in der Farbtherapie, zum Räuchern;

Essenz: hilft Kindern, die familiären Konflikten ausgesetzt sind, sie gibt ihnen einen seelischen Schutz. Gänseblümchen ist auch eine Lernblüte, bei Konzentrations- und Lernschwierigkeiten; Jugendlichen hilft die Gänseblümchen-Essenz auf eigene Füßen zu stehen und sich abzunabeln;

Kosmetik: Gänseblümchen-Salbe bei Neurodermitis; bei unreiner und fettiger Haut; Reinigungslösung bei unreine Haut und entzündete Haut; 

Farbtherapie: weiß ist die Farbe der Reinheit, sie vereint in sich alle Spektralfarben; in der Ernährungslehre in der chinesischen Medizin wird weiß für die Reinigung der Lunge eingesetzt; weiße Heilpflanzen sind das Gänseblümchen, auch die Schafgarbe usw. sie klären den Blick und stärken auch die Augen; 

Homöopathie: Bellis perennis D2-D12: häufig eingesetzt im Bereich Gefäße, Muskeln, Bronchien, Mundschleimhaut, Magen-Darmtrakt, Haut;

Hildegard von Bingen: für einen gesunden Mensch ist es gut zum Essen, weil es das Blut vermehrt und einen klaren Verstand verbreitet; auch Kranke bringt es wieder zu Kräften, es macht seine Augen klar. 

Räuchern: Balsam für eine geprellte Seele vor allem nach heftigen seelischen Verletzungen oder enttäuschten Vertrauen; stärkt Menschen die völlig überarbeitet sind; schafft eine geschützte Atmosphäre und schenkt mehr Vertrauen ins Leben; liebevolle und kindliche Energie; 

Basteleien: Kränze mit Gänseblümchen und anderen Kräutern gemischt; für Kinder als Dekoration in den Haaren; Als Dekoration außen am Tellerrand; in ein Trockengesteck eingebaut; und vieles mehr; 

MÄRCHEN - DAS GÄNSEBLÜMCHEN VON HANS CHRISTIAN ANDERSEN

Nun höre mal! Draußen auf dem Lande, dicht am Wege lag ein Landhaus, vor ihm lag ein kleiner Garten mit Blumen und einem Zaun, dicht dabei am Graben mitten in dem schönsten grünen Grase wuchs eine kleine Gänseblume. Die Sonne beschien sie ebenso warm und schön wie die großen, schönen Prachtblumen drinnen im Garten, und deshalb wuchs sie von Stunde zu Stunde.

Eines Morgens stand sie mit ihren kleinen, blendenweißen Blättern, die wie Strahlen um die kleine, gelbe Sonne in der Mitte ringherum sitzen, ganz entfaltet da. Sie dachte gar nicht daran, dass kein Mensch sie dort im Grase sehe und dass sie eine arme, einfache Blume sei; nein, sie war vergnügt, sie wendete sich der warmen Sonne gerade entgegen, sah zu ihr auf und horchte auf die Lerche, die in der Luft sang.

Das kleine Gänseblümchen war so glücklich, als ob es ein großer Festtag wäre, und es war doch ein Montag. Alle Kinder waren in der Schule. Während sie auf den Bänken saßen und etwas lernten, saß sie auf ihrem kleinen, grünen Stängel und lernte auch von der warmen Sonne und allen rungsumher, wie gut Gott ist. Es machte sie froh, dass die kleine Lerche alles, was sie in der Stille fühlte, so deutlich und schön sang, und die Gänseblume blickte mir einer Art Ehrfurcht zu dem glücklichen Vogel, der singen und fliegen konnte empor, war aber gar nicht betrübt, weil sie es selbst nicht konnte. "Ich sehe und höre ja!", dachte sie; "die Sonne bescheint mich und der Wind küsst mich! Oh, wie bin ich doch begabt worden!"

Im Garten standen viele steife, vornehme Blumen, je weniger Duft sie hatten, um so mehr prunkten sie. Die Sonnenrose blies sich auf, um größer als eine Rose zu sein, aber die Größe ist es nicht, die es macht! Die Tulpen hatten die allerschönsten Farben, das wussten sie wohl und hielten sich so gerade, damit man sie besser sehen möchte.

Sie betrachteten die kleine Gänseblume da draußen gar nicht, aber sie sah desto mehr nach ihnen und dachte: "Wie sind sie reich und schön! Ja, zu ihnen fliegt sicher der prächtige Vogel hernieder und besucht sie! Gott sei Dank, dass ich so nahe stehe, so kann ich doch den Staat zu sehen bekommen!" und gerade, wie sie das dachte, "Quirrvit!" da kam die Lerche nieder ins Gras zu der armen Gänseblume geflogen; die erschrak so vor lauter Freude, dass sie gar nicht wusste, was sie denken sollte. Der kleine Vogel tanzte rings um sie her und sang: "Wie ist doch das Gras so weich! Welch liebliche, kleine Blume mit Gold im Herzen und Silber auf dem Kleide!"

Der gelbe Punkt in der Gänseblume sah ja auch aus wie Gold, und die kleinen Blätter ringsherum erglänzten silberweiß. Wie glücklich die kleine Gänseblume war, das kann niemand begreifen! Der Vogel küsste sie mit seinem Schnabel, sang ihr vor und flog dann wieder in die blaue Luft hinauf. Es währte sicher eine ganze Viertelstunde, bevor die Blume sich beruhigen konnte.

Halb beschämt und doch innerlich erfreut, sah sie nach den anderen Blumen im Garten; sie hatten ja die Ehre und Glückseligkeit, die ihr widerfahren war, gesehen, sie mussten ja begreifen, welche Freude das war; aber die Tulpen standen noch einmal so steif wie früher, und dann waren sie spitz im Gesicht und rot, denn sie hatten sich geärgert. Die Sonnenblumen waren ganz dickköpfig; es war gut, dass sie nicht sprechen konnten, sonst hätte die Gänseblume eine ordentliche Zurechtweisung bekommen. Die arme, kleine Blume konnte wohl sehen, dass sie nicht guter Laune waren, und das tat ihr herzlich weh.

Zur selben Zeit kam drinnen im Garten ein Mädchen mit einem großen, scharfen und glänzenden Messer, es ging gerade auf die Tulpen zu und schnitt eine nach der anderen ab. "Uh!", seufzte die kleine Gänseblume, "das war schrecklich, nun ist es mit ihnen vorbei!" dann ging das Mädchen mit den Tulpen fort.

Das Gänseblümchen war froh, dass es draußen im Grase stand und eine kleine Blume war, es fühlte sich so dankbar, und als die Sonne unterging, faltete es seine Blätter, schlief ein und träumte die ganze Nacht von der Sonne und dem kleinen Vogel.

Am nächsten Morgen, als die Blume wieder glücklich alle ihre weißen Blätter gerade wie kleine Arme gegen die Luft und Sonne ausstreckte, erkannte sie des Vogels Stimme, aber es war traurig, was er sang. Ja, die arme Lerche hatte guten Grund dazu; sie war gefangen worden und saß nun in einem Käfig dicht beim offenen Fenster. Sie besang das freie und glückliche Umherfliegen, sang von dem jungen grünen Korn auf dem Felde und von der herrlichen REise, die sie auf ihren Flügeln hoch in die Luft hinauf machen konnte. Der arme, kleine Vogel war nicht bei guter Laune, gefangen saß er da im Käfig.

Die kleine Gänseblume wünschte ihr zu helfen. Aber wie sollte sie das anfangen? Ja, es war schwer zu erdenken. Sie vergaß völlig, wie schön alles ringsumher stand und wie warm die Sonne schien - ach, sie konnte nur an den gefangenen Vogel denken, für den sie durchaus nichts tun konnte.

In derselben Zeit kamen zwei kleine Knaben aus dem Garten; der eine von ihnen hatte ein Messer in den Händen, groß und scharf, wie das des Mädchens war, das die Tulpen abgeschnitten hatte. Sie gingen gerade auf die kleine Gänseblume zu, die gar nicht begreifen konnte, was sie wollten. Hier können wir ein herrliches Rasenstück für die Lerche ausschneiden!" sagte der eine Knabe und begann nun um die Gänseblume in einem Viereck tief hineinzuschneiden, so dass sie mitten in das Rasenstück zu stehen kam.

"Reiße die Blume ab!" sagte der eine Knabe, und das Gänseblümchen zitterte aus Angst; denn abgerissen werden hieß ja das Leben verlieren, und nun wollte es so gern leben, da es mit dem Rasenstück zu der gefangenen Lerche in den Käfig sollte.

"Nein, lass sie stehen!", sagte der andere Knabe; "sie putzt so niedlich!"

Und so blieb die kleine Gänseblume stehen und kam mit in den Käfig zur Lerche. Aber der arme Vogel klagte laut über die verlorene Freiheit und schlug mit den Flügeln gegen den Eisendraht des Käfigs;

Die kleine Gänseblume konnte nicht sprechen, kein tröstendes Wort sagen. So verging der ganze Vormittag.

"Hier ist kein Wasser!" sagte die gefangene Lerche. "Sie sind alle ausgegangen und haben vergessen, mir einen Tropfen zu trinken zu geben. Mein Hals ist trocken und brennend! Es ist Feuer und Eis in mir, und die Luft so schwer! Ach, ich muss sterben, scheiden von dem warmen Sonnenschein, vom  frischen Grün, von all der Herrlichkeit, die Gott geschaffen!" Und dann bohrte sie ihren Schnabel in das kühle Rasenstück, um sich dadurch ein wenig zu erfrischen; da fielen ihre Augen auf das Gänseblümchen, und der Vogel nickte ihm zu, küsste es mit seinem Schnabel und sagte:" Du musst hier drinnen auch vertrocknen, du arme, kleine Blume! Dich und den kleinen Flecken grünen Grases hat man mir für die ganze Welt gegeben, die ich draußen hatte! Jeder kleine Grashalm soll mir ein grüner Baum, jedes deiner weißen Blätter eine duftende Blume sein! Ach, erzähl mir nur, wie viel ich verloren habe!"

Wer ihn doch trösten konnte!" dachte die Gänseblume, aber sie konnte kein Blatt bewegen; doch der Duft, der den feinen Blättern entströmte, war weit stärker, als man ihn sonst bei dieser Blume findet; das bemerkte der Vogel auch, und obgleich er vor Durst fast verschmachtete und in seinem Schmerz die grünen Grashalme abriss berührte er doch nicht die Blume.

Es wurde Abend und noch kam niemand, dem armen Vogel einen Wassertropfen zu bringen. Da streckte er seine hübschen Flügel aus, schüttelte sie krampfhaft, sein Gesang war wehmütiges Piep, Piep, das kleine Haupt neigte sich der Blume entgegen, und des Vogels Herz brach aus Mangel und Sehnsucht. Da konnte die Blume nicht wie am vorhergehenden Abend ihre Blätter zusammenfalten und schlafen, sie hing traurig zur Erde nieder.

Erst am nächsten Morgen kamen die Knaben, und als sie den Vogel tod erblickten, weinten sie, weinten viele Tränen und gruben ihm ein niedliches Grab, das mit Blumenblättern verziert wurde. Des Vogels Leiche kam in eine rote, schöne Schachtel, königlich sollte er bestattet werden, der arme Vogel! Als er lebte und sang, vergaßen sie ihn, ließen ihm ein Käfig sitzen und Mangel leiden, nun bekam er Staat und viele Tränen.

Aber das Rasenstück mit dem Gänseblümchen wurde fortgeworfen; niemand dachte an die bescheidene Blume, die doch am meisten für den kleinen Vogel gefühlt hatte und ihn gern trösten wollte.

(von Verena Lanz)

 

 

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DER BUCHWEIZEN

(von Hans Christian Andersen)

Häufig, wenn man nach einem Gewitter an einem Acker vorübergeht, auf dem Buchweizern wächst, sieht man, dass er ganz schwarz geworden und abgesengt ist; es ist gerade, als ob eine Feuerflamme über ihn hingefahren wäre, und der Landmann sagt dann: " Das hat er vom Blitze bekommen!" Aber warum bekam er das? Ich will erzählen, was der Sperling mir gesagt hat, und der Sperling hat es von einem alten Weidenbaume gehört. der bei einem Buchweizenfelde steht. Es ist ein ehrwürdiger, großer Weidenbaum, aber verkrüppelt und alt, er ist in der Mitte geborsten, und es wachsen Gras und Brombeerranken aus der Spalte hervor; der Baum neigt sich vornüber, und die Zweige hängen ganz auf die Erde hinunter, gerade als ob sie langes, grünes Haar wären.

Auf allen Feldern, ringsumher wuchsen Korn, Roggen, Gerste und Hafer, ja der herrliche Hafer, der, wenn er reif ist, gerade wie eine Menge kleiner, gelber Kanarienvögel an einem Zweige aussieht. Das Korn stand gesegnet, und je schwerer es war, desto tiefer neigte es sich in frommer Demut.

Aber da war auch ein Feld mit Buchweizen, und dieses Feld war dem alten Weidenbaume gerade gegenüber. Der Buchweizen neigte sich durchaus nicht wie das übrige Korn, sondern prangte stolz und steif.

"Ich bin wohl so reich wie die Ähre", sagte er; " überdies bin ich weit hübscher; meine Blumen sind schön wie die Blüten des Apfelbaumes; es ist eine Freude, auf mich und die Meinigen zu blicken! Kennst du etwas Prächtigeres als uns, alter Weidenbaum?"

Der Weidenbaum nickte mit dem Kopfe, gerade als ob er damit sagen wollte: "Ja, freilich!" Aber der Buchweizen spreizte sich aus lauter Hochmut und sagte: "Der dumme Baum, er ist so alt, dass ihm Gras im Leibe wächst!" Nun zog ein schrecklich böses Gewitter auf; alle Feldblumen falteten ihre Blätter zusammen oder neigten ihre kleinen Köpfe herab, während der Sturm über sie dainfuhr.

Aber der Buchweizen prangte in seinem Stolze.

"Neige dein Haupft wie wir!" sagten die Blumen.

"Das ist durchaus nicht nötig", erwiderte der Buchweizen.

"Senke dein Haupt wie wir!" rief das Korn. "Nun kommt der Engel des Sturmes geflogen! Er hat Schwingen, die oben von den Wolken bis gerade herunter zur Erde reichen, und er schlägt dich mittendurch, bevor du bitten kannst, er möge dir gnädig sein!"

"Aber ich will mich nicht beugen!" sagte der Buchweizen.

"Schließe deine Blumen und neige dein Blätter!" sagte der alte Weidenbaum. "Sieh nciht zum Blitze empor, wenn die Wolke birst; selbst die Menschen dürfen das nicht, denn im Blitze kann man in Gottes Himmel hineinsehen; aber dieser Anblick kann selbst die Menschen blenden. Was würde erst uns, den Gewächsen der Erde, geschehen, wenn wir es wagten, wir, die doch weit geringer sind!"

"Weit geringer?" sagte der Buchweizen. "Nun will ich gerade in Gottes Himmel hineinsehen!" Und er tat es in seinem Übermut und Stolz. Es war, als ob die ganze Welt in Flammen stände, so blitzte es.

Als das böse Wetter vorbei war, standen die Blumen und das Korn in der stillen, reinen Luft erfrischt vom Regen, aber der Buchweizen war vom Blitz kohlschwarz gebrannt; er war nun ein totes Unkraut auf dem Felde.

Der alte Weidenbaum bewegte seine Zweige im Winde, und es fielen große Wassertropfen von den grünen Blättern, gerade als ob de rBaum weine, und die Sperlinge fragten: "Weshalb weinst du? Hier ist es ja so gesegnet! Sieh, wie die Sonne scheint, sieh, wie die Wolken ziehen! Kannst du den Duft von Blumen und Büschen bemerken: Warum weinst du, alter Weidenbaum?"

Und der Weidenbaum erzählte vom Stolze des Buchweizens, von seinem Übermute und der Strafe, die immer darauf folgt. Ich, der die Geschichte erzähle, habe sie von den Sperlingen gehört. Sie erzählten sie mir eines Abends, als ich um ein Märchen bat.

(von Verena Lanz)

 

 

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WARUM DIE SCHLÜSSELBLUME KEINE SCHÄTZE MEHR ERSCHLIESST

Als es auf der Welt noch Feen und Zauberer gab, besaß auch die wunderschöne Schlüsselblume Zauberkraft. Sie brachte demjenigen Glück, der sie im richtigen Augenblick pflückte.

Einst trieb ein Schafhirte seine Herde auf die Weide und pflückte in der Nähe eines Felsens eine wunderschöne, blühende Schlüsselblume. Er steckte sie sogleich auf den Hut. Plötzlich wurde ihm der Kopf schwer. Der Schäfer nahm seinen Hut asb und stellte überrascht fest, dass nu anstelle der gelben Blume ine Schlüssel aus purem Gold an seinem Hut steckte. Im selben Augenblick erschien eine wunderschöne Fee.

Sie schwebte in der Luft, schenkte dem Burschen ein Lächeln und sagte:" Hab keine Angst! Der Schlüssel soll dir Glück bringen. Lege ihm auf den Felsen und ein Tor zum Inneren einer Schatzkammer wird sich auftun. Nimm so viel von den Schätzen, wie du tragen kannst. Aber vergiss nicht das Wichtigste!" Mit diesen Worten war die Fee verschwunden!

Der Schäfer wusste nicht wie ihm geschah. Was hatte es mit der merkwürdigen Nachricht auf sich? In seiner Hand hielt er den Schlüssel aus purem Gold. Er legte ihn auf den Felsen und eine unterirdische Höhle öffnete sich, aus der es vor lauter Schätzen nur so strahlte und glitzerte. Der Hirte wurde vom grellen Licht geblendet. Er breitet seine Schürze aus und packte so viel Gold, Silber, Schmuck und Edelsteine drauf, wie er tragen konnte. Dann warf er sich das Bündel über die Schulter und machte sich auf den Heimweg.

Aber das Wichtigste, den goldenen Schlüssel vergaß er in der Höhle. Gleich darauf schloss sich der Felsen für alle Ewigkeit. Unscheinbar und grau stand er da zwischen den Bäumen, keiner hatte je eine Schatzgrube darunter vermutet. So kommt es, dass die Schlüsselblume keine Schätze mehr erschließt. Und auch die Feen wurden seitdem nicht mehr gesehen!

 (von Verena Lanz)

 

 

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Die Eiche

Baum des Jahres 2014

Die Traubeneiche

QUERCUS PETRAEA

Höhe: bis 40m

Blütezeit: April bis Mai

Traubeneichen können ein Alter von 500-800 Jahren erreichen.

Pflanzenbeschreibung Blätter: Die Blätter haben an beiden Seiten 5-7 dreieckig, gerundete Lappen, die ziemlich symmetrisch angeordnet sind. Der Umriss ist oval-länglich, 8-12 cm lang und bis ca. 5 cm breit. Die Blätter haben einen 1-2 cm langen Blattstiel und einen keilförmigen Spreitengrund. Bei der Trauben-Eiche fehlen Buchtennerven, während diese bei der Stiel-Eiche besonders deutlich entwickelt sind. Der Blattaustrieb erfolgt bei der Taubeneiche rund zwei Wochen vor dem Austrieb der Stiel-Eiche. Insbesondere bei kleineren Exemplaren bleibt die trocken-braune Belaubung oft bis zum nächsten Frühjahr am Baum.

Blüten: Die Blüten sind eingeschlechtlich und einhäusig verteilt. Die unscheinbaren männlichen Kätzchen sind bis 6 cm lang, schlaff hängend. In den weiblichen Blütenständen stehen 2-3 kurz gestielte bis sitzende Blüten dicht gedrängt traubig beieinander, daher stammt die deutsche Bezeichnung Trauben-Eiche.

Früchte: Die Eicheln sitzen gehäuft in vielschuppigen ungestielten Fruchtbechern, und werden bis 3 cm lang.

Rinde: Die Borke der Traubeneiche ist senkrecht längsgefurcht. Junge Triebe sind dunkelgrau, gräulich bereift und sonnenseits oft gerötet.

Wurzelsystem: Pfahlwurzelsystemwie bei Stieleiche.

Verbreitung: Die Hauptverbreitung der Traubeneiche liegt im tieferen Bergland. Nördlich der Alpen bis 700 m, in den Südalpen bis 1600 m hoch ansteigend. Die Traubeneiche bevorzugt mäßig sommertrockene und wintermilde Klimalagen und meidet Staunässe und hohen Grundwasserbestand.

(von Waldboth Anni)

Die Eiche

gehört zur Familie der Buchengewächse und umfasst weltweit rund 600 Arten der Gattung.

In Mitteleuropa unterscheiden wir hauptsächlich zwei Eichenarten, die Stieleiche und die Traubeneiche.

In Südtirol findet man die Flaum-Eiche, die Trauben-Eiche und die Stiel-Eiche.

Die Stieleiche QUERCUS ROBUR L.

Höhe: bis 40m

Blütezeit: April bis Mai

Die Stieleiche ist ein Sommergrüner Laubbaum mit einer kugeligen bis breit zylindrischen Krone. Sie kann einen Durchmesser von 250 cm erreichen und 1000 Jahre alt werden.

Pflanzenbeschreibung Blätter:

Die Blätter sind wechselständig, etwa 10 bis 12 cm lang, im Umriss verkehrt eiförmig und am Blattgrund meist deutlich geöhrt (Unterscheidungsmerkmal zur Traubeneiche).

Stieleichenblätter haben beiderseits vier bis sieben rundliche Lappen, die ungleichmäßig angeordnet und bis zur Hälfte der Blattspreite eingebuchtet sind. Die Länge des Blattstiels beträgt max. 1 cm und ist im Vergleich zur Traubeneiche sehr kurz. Oberseits sind die Blätter matt dunkelgrün, unterseits hell-bläulich grün.

Im Herbst verfärben sie sich erster gelb, dann braun.

Blüte: Die Blüten sind eingeschlechtlich und einhäusig verteilt. Die männlichen Blüten hängen als unauffällige Kätzchen am Grunde neuer Triebe. Die Knöpfchen förmigen weiblichen Blüten sitzen einzeln oder zu zweit auf lang behaarten Stielen.

Früchte: Die Eicheln reifen im September/Oktober, sind 2 bis 3 cm lang, eiförmig und im unteren Drittel mit Schuppen, dem Fruchtbecher, umhüllt. Sie sitzen einzeln, zu zweit oder zu viert an 4 cm langen Stielen (daher auch der Name Stieleiche), sind anfangs grün und werden dann braun. Die reifen Eicheln fallen aus dem Becher heraus und sind etwa sechs Monate keimfähig.

Die Eicheln bilden besonders im Herbst eine wichtige Nahrungsquelle für Wild.

Borke: Sie ist anfangs silbergrau glänzend und glatt; später, nach ungefähr 30 Jahren, reißt sie auf und entwickelt die typische Eichenborke mit dicken, längs- und tiefgefurchten Einschnitten.

Wurzelsystem: Bereits in frühester Jugend wird ein Pfahlwurzelsystem angelegt. Im hohen Alter wird die Pfahlwurzel durch Senker Wurzeln begleitet. Die Feinwurzelausbildung ist gering. Diese starke Durchwurzelung bewirkt eine große Stabilität und damit eine sehr geringe Windwurfgefahr.

Verbreitung: Die Stieleiche ist in fast ganz Europa verbreitet. Sie bevorzugt nährstoffreiche, tiefgründige, gut wasserversorgte Lehm- und Tonböden. Aber auch auf Böden mit zeitweiligem Wasserüberschuss und auf nährstoffärmeren Sandböden zeigt sie gute Wuchsleistungen.

(von Waldboth Anni)

Wissenswertes zur Eiche

Die Eiche gehört zu den Lichtbaumarten, d.h. sie benötigt zum Gedeihen einen hohen Lichtgenuss und ist somit konkurrenzschwach.

Waldbaulich spielt die Eiche eine wichtige Rolle, da sie im hohen Alter sehr wertvolles Holz liefern kann.

Das Holz der Eichen ist sehr fest, zäh, schwer und dauerhaft. Der Splint ist hell, der Kern ist dunkel gefärbt. Aufgrund der Gerbstoff-Einlagerungen im Kern ist es für den Außenbau hervorragend geeignet und wurde vor allem beim Schiffsbau verwendet. Eichenholz gilt als klassisches Holz für den Haus- und Möbelbau. Außerdem werden noch Pfähle, Furniere, Fässer, Werkzeuge und Türen hergestellt.

Eichenrinde diente früher zur Herstellung von Gerbsäure für die Lederbearbeitung.

Der Name Eiche leitet sich vom lateinischen esca = Speise ab, da früher die Eicheln ein wichtiges Nahrungsmittel für die Schweinemast waren. Aber nicht nur Schweine mögen die Eicheln, sondern auch Hirsche, Rehe, Eichhörnchen und Eichelhäher verzehren sie gern.

Dabei kann ein Eichelhäher bis zu 5000 Eicheln im Boden verstecken, die er aber nicht alle wiederfindet, und trägt somit zur Ausbreitung der Eiche bei.

Eicheln, insbesondere die unreifen grünen, Eichenlaub und Rinde wirken allerdings giftig auf Pferde, Rinder und Kühe. Die Eiche verliert ihre Blätter erst im Frühjahr, da sie bei der Bildung der Knospen eine wichtige Schutzfunktion haben.

(von Waldboth Anni)

Eichenwälder in Südtirol

In Südtirol gibt es verschiedene Eichenmischwälder, die aufgrund ihrer örtlichen Kleinstandorte eine hohe Diversität aufwiesen.

Diese Waldgruppen erstrecken sich von den innenalpinen Tallagen im Vinschgau über die zwischenalpinen Tallagen im Etschtal, Überetsch und Eisaktal bis ins untere Pustertal nach Bruneck und ins Passeiertal nach St.Leonhard.

In Südtirol werden folgende Waldtypen mit Eichenbestand unterschieden: • Lärchen-Eichenwälder • Lärchen-Flaumeichenwald (im Vinschgau zwischen 1000 und 1300 m • Eichen-Kiefernwald zwischen 800 und 1200 m, • Mannaeschen-Hopfenbuchenwalder • Traubeneichenmischwälder Bei den Traubeneichenmischwäldern unterscheiden wir: Silikat- -Kastanien-Traubeneichenwald Bestände: Fichte dominiert, Rotkiefer, Lärche, Edelkastanie, Traubeneiche, Winterlinde, Vogelbeere, Hängebirke, Zitterpappel, Mannaesche, Haselnuss, Faulbaum Eichen-Kastanien-Mischwald mit Fingersegge Bestände: Fichte dominiert, Edelkastanie, Lärche Traubeneiche, Mannaesche, Winterlinde, Vogelkirsche, Esche, Walnuss, Hopfenbuche, Mehlbeere, Tanne, Rotkiefer Silikat-Hopfenbuchen-Traubeneichenwald mit Kastanie Bestände: Hopfenbuche, Mannaesche, Traubeneiche, Edelkastanie Vogelkirsche Winterlinde, Rotkiefer, Buche , Aspe, Mehlbeere, Fichte

(von Waldboth Anni)

Volkmedizin und Volksglaube

Heilwirkung: adstringierend, antibakteriell, blutstillend, entzündungshemmend

Sammelzeit: Rinde: März bis Mai

Eicheln: Oktober

Inhaltsstoffe: Gerbstoff, Gerbsäure, Gummi, Bitterstoff, Gallussäure, Harz, Fett, Pektin, Zucker, fettes Öl, Eiweiß, Kieselsäure

Anwendung: Als heilkräftiger Pflanzenteil der Eiche wird die Rinde der dünnen Äste und Zweige verwendet. Die Rinde enthält sehr viele Gerbstoffe und daher ist die Eiche eine wichtige Gerbstoffpflanze. Eichenrinde kann man wahlweise als Aufguss oder als Tinktur anwenden. Die Rinde der Eiche wirkt stark zusammenziehend, was sie zu einem wertvollen Heilmittel bei Blutungen und Entzündungen macht. Sie wird vor allem äußerlich als Bad oder Umschlag angewendet.

Die häufigste Art Eichenrinde anzuwenden ist äußerlich gegen Ekzeme und schlecht heilende Wunden. Innerlich wird Eichenrinde als Mittel gegen Durchfall und Darmentzündungen verwendet. Eichenrinden Aufguss Für einen Eichenrinden-Abkochung übergießt man ein bis zwei Teelöffel Eichenrinde mit einer Tasse kaltem Wasser und lässt das Wasser mit der Eichenrinde zusammen aufkochen. Den Eichenrindentee lässt man drei bis fünf Minuten kochen. Anschließend abseihen.

Tinktur: Tinkturen aus Eichenrinde sind weniger gebräuchlich aber durchaus möglich. Um eine Eichenrinden-Tinktur selbst herzustellen, übergießt man Eichenrinde mit Doppelkorn oder Weingeist, und lässt die Mischung verschließbaren Behälter für 2 bis 6 Wochen ziehen. Dann abseihen und in eine dunkle Flasche abfüllen. Wenn einem die Tinktur zu konzentriert ist, kann man sie mit Wasser verdünnen.

Kaffee & Mehl: Die Eicheln, die im Herbst heranreifen, schmecken zwar bitter, aber durch ausgiebiges Wässern kann man die Bitterstoffe entfernen und die getrockneten Früchte zu Mehl verarbeiten, was so manche Hungersnot gelindert hat. Auch als Kaffeeersatz eignen sich die Eicheln, wenn man sie röstet und mahlt.

(von Waldboth Anni)

ANIS ist die Heilpflanze 2014

 

 

Aromatisch und krämpflosend

Anisfrüchte geben Brot, Süßspeisen, Tees sowie auch alkoholischen Getränken ein spezielles Aroma.

Ihr typischer Geruch und Geschmack kommt von den Inhaltsstoffen des Anis, die ätherischen Öle (Anethol).

Anis (Pimpinella anisum) wird auch in der Medizin verwendet. Er wirkt krampf- und schleimlösend.

Deshalb wird Anis bei der Behandlung von Magen- Darm- Beschwerden und Erkältungskrankheiten verwendet.

 

(von Carmen Stieler)

 

 

 

 

Heilkräutersteckbrief zum Anis

Heilkräutersteckbrief Anis

Andere Namen sind: Brotsamen, Römischer Fenchel, Süßer Kümmel

Botanischer Name: Pimpinella anisum

Familie: Doldenblütler - Apiaceae

Standort: Anis ist eine lichtliebende Pflanze und bevorzugt leichte und nährstoffreiche Böden

Botanische Merkmale: Anis ist einjährig, krautig, wird 10 bis 60 cm hoch. Der Stängel ist aufrecht, stark verzweigt und leicht behaart. Die Laubblätter sind verschiedengestaltig: die unteren Blätter sind gestielt, ungeteilt und am Rand gezähnt, in der Mitte sind sie dreilappig und oben 2- bis 3fach fiederschnittig. Die Blütendolden sind 7- bis 15 strahlig, ohne oder nur mit einem Hüllblatt ausgestattet. Die Döldchen hingegen besitzen meist mehrere Hüllchenblätter. Die kleinen Blüten sind fünfzählig, zwittrig und radiärsymmetrisch, Kelchblätter fehlen. Die braunen Früchte sind zweiteilige Spaltfrüchte, die im August bis September reifen. Sie sind 3 bis 5 mm lang, eiförmig und mit grauen Härchen überzogen. Die gelben Rippen verlaufen gerade. Die spindelförmige Pfahlwurzel ist länglich und dünn.

Verwendete Pflanzenteile: Früchte

Sammelzeit: Herbst, wenn die Früchte gut reif sind

Inhaltsstoffe der Früchte: 6 % ätherisches Öl v.a. Anethol, 20 % Eiweiß, 30 % Fett, Cumarine, Flavonoide und 7 % mineralische Inhaltsstoffe

Eigenschaften: schleimlösend, milchbildend, blähungswidrig, antibakteriell, krampflösend, entspannend, tonisierend, harntreibend

 

(Text von Sigrid Thaler)

 

 

 

 

 

Anis die Heilpflanze

Pimpinella anisum

Pflanzenfamilie: Doldenblütler Blütezeit: Juli - August

Pflanzenbeschreibung: Anis ist eine etwa 20 – 60 cm hohe, einjährige, krautige aufrecht wachsende Pflanze. Die gesamte Pflanze ist dicht und kurz behaart. Der Stängel ist rund, hohl und gerillt. Die Blätter im unteren Bereich sind dreilappig, weiter oben sind sie gefiedert. Die Stängelblätter sind nach oben hin zunehmend feiner zerteilt und 2- bis 3-fach geteilt und auch an den Rändern gesägt. Der Stängel der Pflanze verzweigt sich zu abgeflachten Doppeldolden mit kleinen weißen oder rosafarbenen Blüten. Jede Blüte besteht aus 5 kleinen Blättern, die eine runde und zurückgebogene Form haben. Die 7 – 12 strahlige, gut 1 cm große Blütendolden besitzen meist kein oder nur ein Hüllblatt. Die Blütenstiele sind bis zu 1 cm lang. Die Blüten bringen später längliche, behaarte Früchte hervor. Die graugrünen, birnenartigen Spaltfrüchte sind etwa 3 – 5mm lang und haben noch kurze Stielreste. Sie zerfallen häufig nicht von allein in ihre Teilfrüchte. Jede Teilfrucht besitzt fünf helle Rippen. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, meist Bienen und Schmetterlinge. Die spindelförmige Pfahlwurzel wächst länglich bis dünn Standort: auf sandig – lehmige Böden, sonnig und windgeschützt

Vorkommen: Der Anis stammt ursprünglich aus Asien und den südöstlichen Mittelmeerländern. In unseren Breiten ist er nur in Gärten oder im landwirtschaftlichen Anbau zu finden. Wilde Pflanzen sind sehr selten.

Wissenswertes: Anis ist ein Dunkelkeimer und kann im März unter Glas oder ab April/Mai im Freien ausgesät werden. Die Anissamen haben einen lieblichen, würzhaften, etwas scharfen Geschmack. Das innere Mark des Samens ist fast olivfarben. Man nennt den Samen "grüner Anis", um ihn vom Zuckerwerk zu unterscheiden, welches die Anisfrucht enthält und in Frankreich oft "Anis à la Rein" oder "Petit Anis de Verdun" genannt wird. Anis wird heute weltweit in den gemäßigten Klimazonen angebaut. Manchmal verwildert er, überlebt dann jedoch nur kurze Zeit, da es sich um eine einjährige Pflanze mit empfindlichen Samen handelt. Den besten Ruf genießt der in Spanien angebaute Anis. In der westlichen Küche wird Anis heute vor allem in Brot und Backwaren verwendet. Hauptsächlich wird Anis jedoch Spirituosen und Likören beigemischt, wie etwa Sambuca, Rak?, Ouzo, Arak, Absinth…

Volksmedizin und Volksglaube: Inhaltsstoffe: ätherische Öle, Anethol, Anissäure, Flavonoide, Bor, Kampfer, Kaffeesäure, Cumarine, Vitamin C

Heilwirkung: antibakteriell, entspannend, harntreibend, krampflösend, schleimlösend, auswurffördernd Anis ist eine sehr alte Heil- und Gewürzpflanze In der Heilkunde hilft Anis bei Husten, Blähungen und bei der Milchbildung. Das ätherische Öl besitzt eine schleimlösende und auswurffördernde Eigenschaft und wird bei Katarrhen der Atemwege verwendet. Anis Tee hilft stillenden Müttern bei der Milchbildung und der Säugling nimmt ebenfalls die Inhaltsstoffe gegen Blähungen über die Muttermilch auf. Achtung: Anis nicht selbst sammeln, denn die Früchte sehen den giftigen Schierlingsfrüchten ähnlich.

Nebenwirkungen: Manche Menschen reagieren auf Anis allergisch. Sie dürfen die Pflanze daher nicht einnehmen. Anisöl darf zudem nie unverdünnt angewendet werden, da schon kleine Mengen zu Erbrechen und Übelkeit führen können.

 

(von Waldboth Anna)

 

 

 

Magisches

Anis wirkt als Mittel zur Anregung des Geschlechttriebes Antidämonisches Mittel: die Früchte in der Tasche getragen, machen es bösen Geister schwer , sich der betroffenen Person zu nähern. Jedoch müssen täglich neue Samen genommen werden.

(von Waldboth Anna)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Spitzwegerich ist Arzneipflanze des Jahres 2014

Der "Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" an der Universität Würzburg hat den Spitzwegerich (Plantago lanceolata) zur Arzneipflanze des Jahres 2014 gewählt.

 

 

 

 

Junge Blätter vom Spitzwegerich
Blüte vom Spitzwegerich

Spitzwegerich am Wegesrand

Spitzwegerich – Tausendsassa vom Wegesrand

Der Name Spitzwegerich (botanisch: Plantago lanceolata) verrät schon viel: Seine Blätter, die rückwärtig von markanten, parallelen Adern durchzogen werden, laufen spitz zu. Und er wächst häufig entlang von Wegen. Alte Bezeichnungen wie Spießblatt oder Fünfaderkraut beschreiben das häufig anzutreffende Gewächs ebenso treffend. Heilwundenkraut und Lungenblatt zielen bereits auf seine medizinischen Kräfte hin. Denn seit alters her gilt der Spitzwegerich als eine der mächtigsten Heilpflanzen – eine Art Universalmittel gegen jedwedes Leiden.

Seit jeher hoch geschätzt

Ein griechischer Arzt der Antike widmete dem Wegerich ein ganzes Buch. Dioskurides, der berühmteste Pharmakologe des Altertums, ehrte ihn vor mehr als 2000 Jahren bereits als ein kraftvolles Heilkraut. Kurz nach der Zeitenwende im ersten Jahrhundert empfiehlt ihn Plinius der Ältere, einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler seiner Zeit, als Mittel gegen Schlangenbisse und Skorpionstiche. Albertus Magnus lobt den Spitzwegerich wie viele seiner Kollegen des Mittelalters als hilfreich gegen eine ganze Litanei verschiedener Krankheiten. In den Weltkriegen war das Kraut äußerst begehrt, nicht nur im Feldlazarett behandelte man Wunden damit. Und heute? Wenden sich viele dem alten Heilkraut wieder zu.

Hustenstiller

Obwohl Hildegard von Bingen im Spitzwegerich ein Mittel gegen Liebeszauber sah, vertraut man heute doch mehr auf die Schleimstoffe in ihm, die den wunden Rachen mit einer lindernden Schutzschicht überziehen, auf Gerbstoffe, die Entzündungen eindämmen und Kieselsäure, die das Gewebe stärkt. Weiterhin wirkt Spitzwegereich in frischem Zustand antibiotisch, macht Bakterien schnell den Garaus. So wird der Hustenreiz gestillt, nicht aber das Abhusten von Bronchialsekret verhindert. Gewöhnlich wird Spitzwegerich als Tee, als heißer Aufguss getrockneter Blätter getrunken, doch besser und noch wertvoller ist eine kalte Zubereitung aus Frischpflanzen. Denn dann bleiben die wichtigen keimtötenden Eigenschaften erhalten.

Traditionsreiche Zubereitung

Wohl aus der Erfahrung, dass es die höchste Wirksamkeit besitzt, bereitete man früher auf allen Höfen das Erdkammersirup zu, um damit Husten, Heiserkeit und Entzündungen der Atemwege zu behandeln. Es erscheint uns heute geheimnisumwittert und ein wenig mit Zauberei behaftet, solch ein Sirup herzustellen. Immerhin wird die Mischung aus Blättern und Zucker oder Honig im Glas für drei Monate tief in der Erde vergraben. Erfährt der Spitzwegerich im Schoß der Mutter Erde eine wundersame Aufwertung? Nein, eine besonders schonende Methode, um die Heilkräfte des Spitzwegerichs zu locken. Der dabei entstehende Sirup wurde dann löffelweise eingenommen.

Gut zur Haut

Spitzwegerich ist weithin, vor allem unter Kindern, als „Indianerpflaster“ bekannt. Hat eine Mücke gestochen, hat man sich an Brennnesseln gebrannt oder die Knie aufgeschürft, kommt ein grünes Pflaster in Form von gequetschten Spitzwegerichblättern darauf – und ruck-zuck ist alles vergessen. Juckreiz, Schwellungen, Hautentzündungen und schlecht heilende Wunden sind ein weiteres Anwendungsgebiet für diese Pflanze. Sind keine frischen Blätter zur Hand, leistet eine Tinktur beste Dienste.

Stärkt die Abwehrkräfte

Nicht zuletzt ist es die einzigartige Kombination verschiedener Inhaltsstoffe, die den Spitzwegerich zu einem Rundum-sorglos-Kraut werden lassen. Mit Sorgfalt gesammelt, mit Liebe zubereitet und mit Appetit verspeist, unterstützt der Spitzwegerich das Immunsystem und kurbelt die Abwehrkräfte an. Dabei schmeckt er auch noch gut, angenehm herb-würzig und ein wenig nach Pilzen. Kein Wunder, dass Spitzwegerich in der Wildpflanzenküche ein gern verwendetes Kraut ist.

Auf Schritt und Tritt

Spitzwegerich findet man häufig in Wiesen und auf Weiden, wo er von so manchem Bauern als „Heufresser“ ungern gesehen wird. Weil er mit seinen kräftigen Blattbüscheln den Gräsern den Raum zum Wachsen nimmt. Auch im Garten kann er so manchen Rasenliebhaber zur Verzweiflung bringen. Nicht einmal stetiges Betreten macht ihm etwas aus. Noch weniger schadet Tritt seinem Bruder, dem Breitwegerich (Plantago major). Seine breiten Blätter, in einer Rosette dicht dem Erdboden angeschmiegt, halten es sogar aus, wenn immer wieder Traktor- oder Autoreifen über ihn hinweg rollen. Der Breitwegerich gilt als nicht ganz so heilkräftig wie der Spitzwegerich. Aber man greift schon mal gerne auf ein Blatt zurück, wenn beim Wandern eine Druckstelle am Fuß entsteht und Blasenbildung droht. Ein aufgelegtes Blatt wirkt kühlend, schmerzlindernd und hilft, dass man unbeschwerten Fußes glücklich heim kommt.

(von Karin Greiner)

Das Baumhoroskop Monat APRIL

DIE EBERESCHE - DIE GLÜCKSBRINGERIN 

DATUM IM JAHRESKREIS: 1. bis 10.4. und 4. bis 13.10.

ENERGIE: aufnehmend und nährend

ELEMENT: Erde

FARBE: gelb

EDELSTEIN: Mondstein 

ZENTRALER WIRKUNGSBEREICH: die eigene Entwicklung im Dienste der Gesellschaft

MEDIZIN: Tee gegen Magen- und Darmerkrankungen

MOTTO: Jeder hat die Möglichkeit, ein Stück der Welt zu verbessern - nämlich sich selbst.

SEHNSUCHT: das Glück einer spirituellen Existenz

Die Eberesche wird auch Vogelbeere genannt, und ist ein Strauch oder ein kleienr Baum, wobei die friedrigen Blätter sehr zart wirken. Diese Blätter nehmen anderen Pflanzen kaum Licht und sie lässt die Gesellschaft anderer Pflanzen zu. Ihre kräftigen, weit vernetzten Wurzel stabilisieren Hänge und tragen zur weiteren Verbreitung des feingliedrigen Gewächses bei.

Das Holz der Eberesche ist hart und zäh, und gleichzeit auch elastisch und biegsam. Schon in der Antike wurde es für Drechsler- und Schnitzarbeiten genutzt. Die Weberschiffchen zum Beispiel waren Jahrhunderte hindurch bevorzugt aus Ebereschenholz. 

Die hellroten Beeren sind ein Leckerbissen für Vögel, doch der Mensch reagiert bei übermäßigem Genuss der Beeren mit Übelkeit, Durchfall und / oder rauschähnlichen Zuständen. Kochen oder alkoholische Gärung verhindern diese Nebenwirkungen, wodurch sie auch genießbar ist.

Archäologische Funde legen nahe, dass die rauschartige Wirkung von den keltischen Druiden für rituelle Zwecke genutzt wurde. Daher säumten sie auch Richt- und Kultplätze mit dem Baum. Bei den Kelten galt er als Symbol für Weisheit, Stabilität und Schutz und sie betrachteten die Eberesche als Glücksbringer, der vor allem für die Gesellschaft Positives bewirkte.

Im Licht der Eberesche

Menschen, die an diesen Tagen geboren sind, sagt man ein ungewöhnliches hohes Maß an Selbstreflektion nach. Sie hinterfragen ständig ihr eigenes Tun und streben ständig danach, sich persönlich weiterzuentwickeln.Sie glauben daran, dass jeder einzelne Mensch auf dieser Welt, seinen persönlichen Auftrag hat, etwas zur Gemeinschaft beizutragen und sich mit seinen unterschiedlichen Fähigkeiten in den Dienst der Gesellschaft und der Welt als Ganzes zu stellen. 

Ebereschen sind überraschend eigenständig. Sie kümmern sich kaum was andere über ihnen denken. Sie sind gleichzeitig sozial orientiert und suchen die Gemeinschaft zu anderen. Sie suchen nach dem universellen Sinn des Lebens, nach der großen Quelle der Schöpfung, und für das, benötigen sie niemanden. Ebereschen sind nur in Ausnahmefällen Kirchengänger, denn sie suchen ihre Spiritualität eher in der eigenen Existenz. 

Im Schatten der Eberesche

Ebereschen sind konfliktscheu, das sie dazu neigen, die Ursache für Fehlentwicklungen und Problemen bei sich suchen, und dadurch neigen sie auch selber sich zu überfordern. Manchmal vergessen sie sogar, dass ihre eigene Flamme auch Luft zum Atmen braucht, um nicht irgendwann zu erlöschen. Ebereschen-Geborene müssen erst mühsam lernen, dass Liebe und Zuwendung nicht immer bedingungslos gelebt werden kann, sondern auch Spielregeln braucht. 

Beruf und Berufung

Ebereschen sind überall dort aufgehoben, wo es um den Sinn des Lebens geht. Zum Beispiel Kommunikationstrainer, dort besitzen sie ein Gefühl, was Sinnvolles zu leisten, ohne der Gefahr sich zu sehr in die persönlichen Probleme der einzelnen hineinziehen zu lassen. Doch auch im Journalismus oder in der Politik fühlen sie sich schnell zu Hause. Dort können sich für ihre Ideale kämpfen, ohne dabei zu stark in individuelle Konflikte hineingezogen zu werden. 

Ebereschen die beruflich kein Umfeld finden, suchen sich im Privatleben meist einen Ausgleich, zum Beispiel, bei der Jugendarbeit, der ehrenamtlichen Bewährungshilfe und vieles mehr. 

Ebereschen-Beziehungen

Ebereschen investieren viel Aufmerksamkeit, viel Gefühl und viel Bereitschaft, miteinander etwas aufzubauen in einer Partnerschaft. Sie sind leidenschaftlich liebende, auf geistiger wie auch körperlicher Ebene. Doch wenn etwas schief läuft, hat man es sehr schwer, die Beziehung in die richtige Richtung wieder zu bringen. Ebereschen schweigen sehr lange, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Wenn es ihnen zu viel wird, ziehen sich erschöpft zurück, und dann haben sie weder die Kraft noch die Lust, die Beziehung zu reparieren, sondern suchen lieber einen neuen Partner. 

(Zusammenfassung von Verena Lanz aus dem keltischen Baumhoroskop)

 

 

 

Fortsetzung vom Baumhoroskop Monat APRIL

DER AHORN - EIN REBELL

DATUM IM JAHRESKREIS: 11. bis 20.04. und 14. bis 23.10.

ENERGIE: fordernd und formend

ELEMENT: Luft

FARBE: Himmelblau

EDELSTEIN: Beryll

ZENTRALER WIKRUNGSBEREICH: die eigene Individualität

MEDIZIN: entzündungshemmend

MOTTO: Ich bin, wie ich bin

SEHNSUCHT: Ich bin ok., so wie ich bin

Der Ahorn wächst knorrig und mächtig in Höhen und sieht aus, wie ein verkörperter Eigensinn unter den Bäumen. In Hochwäldern wächst er mit einer kleinen Krone in die Höhe, und als einzeln stehender Baum dehnt er sich mächtig aus, ähnlich wie die Eiche und Buche, und die Krone beginnt meist auch knapp über den Boden.

Meist teilt sich der Stamm schon knapp über den Boden, und es scheint meist dass ihm meist ein gutes Stück Stabilität fehlt. Der Ahorn nutzt jedoch Kraftpunkte des magnetischen Erdfeldes, um seine eigenwillige Form zu stabilisieren. 

Die Kelten haben den Ahorn schon früher sehr gerne beobachtet, und beschreiben ihn als das besondere Vermögen zu, Kraft für die Suche nach der eigenen Identität zu mobilisieren. Und der voll belaubte Baum stand für ein langes, stabiles Lebensglück, trotz widriger Umstände; verlor er aber die Blätter wegen ungünstigen Witterungsbedingungen oder Krankheit, so büßte er mit seinem Laub auch das Glück und die (Selbst) Zufriedenheit ein.

Im Licht des Ahorns

Ahorn-Geborene Menschen sind die Rebellen des Baumkreises. Man sagt einen gewissen Eigensinn nach, jedoch mit viel Originalität und Spontaneität wissen sie es zu würzen. In ihrem Leben wird es niemals langweilig. Sie agieren häufig als Impulsgeber, weil ihr wacher Verstand ständig auf der Suche nach neuer Nahrung ist. 

Ihr wesentliches Anliegen ist die Suche nach der eigenen Identität, das was im tieferen Inneren ausmacht. Sie sprechen sich offen aus, gerade über das was ihnen in den Sinn kommt, egal was es bei anderen auslöst, der gerade zuhört. Sie sind sehr charmant und unterhaltsam und können mit Kritik gut umgehen, und somit nimmt ihnen die Umgebung das auch nicht so übel. Ahorn-Geborene sind ehrgeizig und auch etwas stolz und möchten gerne eine Spur hinterlassen vom eigenen Erfolg.

Im Schatten des Ahorns

Der Schatten wird bei den Ahorn-Geborenen erst dann deutlich, wenn sie sich in einem Stimmungstief befinden, denn auch dann äußern sie sich spontan und offen mit ihrer schlechten Laune.  Auf die Gefühle der Umgebung nehmen sie keine Rücksicht. Zarte Vertreter des Baumkreises wie Birke, Feige oder Apfelbaum sind dann schnell beleidigt, und disziplinierte wie z.B. die Buche werden wütend. 

Beruf und Berufung

Ahorn-Geborene sind im Beruf überall dort aufgehoben, wo sie Kreativität und Individualität ausleben können und wo es ein großes bewunderndes Publikum gibt. z.B. im Marketing, in der Werbebranche usw. Sie sind so ehrgeizig, dass sie es auch schaffen bis an die Spitze zu kommen. Für sie zählt die Wirkung, der Weg dorthin ist alles nebensächlich.

Ahorn-Beziehungen

Mit einem Ahorn als Partner kann man sich auf ein bewegtes Leben gefasst machen. So unermüdlich wie sie in allen Lebensbereichen sind, so rühren sie auch emsig im Beziehungsleben herum. Sie erwarten auch von ihrem Partner sehr viel Verständnis für die eigenen Launen und Befindlichkeiten, aber stehen auch mit Rat und Tat zur Seite. Sie sind starke Persönlichkeiten. Mit so einem Partner an der Seite kann man z.B. Abendteuerurlaube buchen oder Tantra - Seminare besuchen und vieles mehr. 

 (Zusammenfassung von Verena Lanz aus dem keltischen Baumhoroskop)

 

 

 

 

 

 

 

Fortsetzung vom Baumhoroskop Monat APRIL

DER NUSSBAUM - EIN KOMPROMISSLOSER

DATUM IM JAHRESKREIS : 21.bis 30.04. und 24.10. bis 2.11.

ENERGIE : fördernd und formend

ELEMENT : Luft

FARBE : dunkles Blau

EDELSTEIN : Lapislazuli

ZENTRALER WIRKUNGSBEREICH : die Gemeinschaft

MEDIZIN : Schützer des Herzens durch seinen hohen Niacingehalt, als Sud entzündungshemmend bei Hauterkrankungen

MOTTO : Nicht denken, sondern handeln

SEHNSUCHT : die Heimat im Herzen

Vermutlich kam die Walnuss in der Zeit der Völkerwanderung vom Persischen Golf über Griechenland und Italien über die Alpen in unseren Breiten. Auf den britischen Inseln fühlt er sich besonders wohl, wegen der milden Winter. Bei den Kelten wurde zu Samhein oder Halloween geröstete Nüsse gegessen, um das alte Jahr zu ehren und das neue fruchtbar zu begrüßen. Auch stand die Walnuss für eine edle Grundgesinnung, tiefgründige Gedanken und segensreiches Wirken für die Gemeinschaft, aber auch für Unnachgiebigkeit und Stolz. Aber der Nussbaum hatte noch eine ganz eigenartige Funktion und zwar, in der Nähe von Jauchegruben und Latrinen sollte er die entstehenden unangenehmen Düfte neutralisieren.

Im Licht des Nussbaumes

Wer in dieser Zeit geboren wurde, ist in einer ganz besonderen Phase des Jahres zur Welt gekommen. In den Frühjahrstagen entscheidet es sich ob die Bäume reiche Früchte tragen und ob es ein fruchtbares Jahr wird und in den Herbsttagen müssen die Nüsse als fett- und proteinreiche Vorräte gesammelt und eingelagert werden. 

Solche Menschen gelten als stark, einsatzbereit und leistungsfähig. Nussbäume setzen auf Selbstdisziplin, wo andere eher auf trickreiche List oder einen bequemen Kompromiss suchen. 

Im Schatten des Nussbaumes

Der Nussbaum ist mit seinen Überzeugungen und Idealen so weit durchgedrungen, dass nichts daneben Platz hat. Doch es schränkt ihm auch sehr ein damit. Der Nussbaum macht sich manchmal das Leben selber schwer, denn er versteht kaum, dass die Dinge auch leicht von der Hand gehen.

Beruf und Berufung

Nussbäume können hart arbeiten. Nussbaum-Geborene sind nicht sonderlich angenehme Chefs, weil er glaubt, dass alles so passieren muss, wie er es machen würde. Sie kontrollieren jeden Arbeitsschritt, orientieren sich selten am Ergebnis sondern mehr an der Art und Weise, wie der Mitarbeiter seine Arbeit erledigt. Vor allem Berufe wie Pfarrer, Politiker oder Jurist sind nach dem Geschmack des Nussbaumes. 

Nussbaum-Beziehungen

Nussbäume lieben eine emotionale Heimat. Stößt die Liebe des Nussbaumes auf Gegenliebe, ist er ein leidenschaftlicher Partner, der alle Facetten der körperlichen und der geistigen Liebe perfekt beherrscht. 

 

 

 

 

 

 

 

Spitzwegerich

Spitzwegerich Plantago lanceolata Gehört zur Familie der Wegerichgewächse Der botanische Gattungsname „Plantago“ bedeutet so viel wie „Fußsohle“ und bezieht sich auf die Blattform. Weitere Namen sind: Aderkraut, Heilwegerich, Hundsrippen, Lämmerzunge, Lungenblatt, Rippenkraut, Schafzunge, Schlangenzunge, Spießkraut, Wegtritt, Wundwegerich. Spitzwegerich findet man in ganz Europa und kommt auch in Asien und Amerika vor Er ist auf trockenen Wiesen, Schuttplätzen, Feldern, Äckern und an Wegrändern kommt er in großen Mengen vor. Er gehört zu den häufigsten Heilpflanzen. Spitzwegerich ist eine ausdauernde Pflanze. Typisch für alle Wegericharten ist die grundständige Blattrosette. Beim Spitzwegerich sind die Blätter gestielt, aufrecht, schmal-lanzettlich, ganzrandig oder kurz gezähnt. In den Blättern verlaufen 3 – 7 (meist 5) parallele Blattadern. Aus der Mitte der grundständigen Blattrosette entspringt ein 10 – 40 cm langer, aufrechter, unverzweigter blattloser Stängel, welcher mit Längsfurchen versehen ist. Am Ende des Stängels sitzt eine kugelige bis eiförmige, fast farblose Blütenähre mit unscheinbaren Blüten. Diese bilden zierliche Staubblätter aus, welche zur Blütezeit lang aus den Blüten heraushängen. Die Blütenähre ist 1 – 3 cm lang und die Einzelblüten 2 – 4 mm. Aus den Blüten entwickeln sich später Früchte mit Kapseln, die jeweils zwei Samen enthalten. Weitere Wegerich-Arten sind der Breitwegerich (Plantago major) und der Mittlere Wegerich (Plantago media).

(von Sigrid Thaler)

Mythologie vom Spitzwegerich

Spitzwegerich ist eines der ältesten Heilpflanzen.

Die heimischen Wegericharten waren schon in der Jungsteinzeit bekannt. Belegt durch Funde in jungsteinzeitlichen Pfahlbauten in der Schweiz. Dort fand man größere Mengen an Samenreste.

In den Magen von Moorleichen der Eiszeit, fand man Wegerichsamen.

Die Kelten gaben dem Wegerich, den altgermanischen Namen „wegarih“. Das bedeutete so viel wie „Beherrscher des Todes“. Er galt als ein blutstillendes Mittel. Zusammen mit einer Beschwörungsformel und einem Wegerich in der Hand, sollte das den Blutfluss stillen und so Leben retten.

Dioscurides beschrieb das das Auflegen der Blätter, Wunden heilt und der Saft gegen „Geschwülste“ und „Drüsen“ wirkt. Als Gemüse mit Salz und Essig gekocht sollte Wegerich bei Magenkrankheiten und sogar bei Ruhr helfen.

Im Mittelalter hatte man den Glauben, dass schmalblättrige Arten nur bei Männern und breitblättrige Wegeriche nur bei Frauen halfen.

Die dicken Blattadern des Breitwegerichs sind als Orakel benutzt worden. Das Blatt wurde quer auseinandergerissen und anhand der Anzahl der heraushängenden Fäden, waren dies die Anzahl der Liebsten.

Die Indianer nannten Wegerich die „Fußstapfen des Bleichgesichts“ oder „Engländer- Fuß“. Sie glaubten, dass die Pflanze nur dort wächst wo ein englischer Fuß den Boden berührt hat. Vor der Besiedelung Nordamerikas kannte man den Wegerich nicht.

Die Kräfte der Pflanze wurden in den Kräuterbüchern der Klostermedizin als kühlend, trocknend und zusammenziehend beschrieben. In der Erfahrungsheilkunde waren die Blätter des Wegerichs fast weltweit das wichtigste Mittel bei Wunden, Geschwüren und Entzündungen. Doch auch Schwindsucht, Husten, Fieber, Durchfall und Blutarmut zählen zu den oft angeführten Anwendungsgebieten.

Pfarrer Künzel schrieb in seinem praktischen Heilkräuterbüchlein „churt un Unchurt“: „Der Wegerich ist ein sehr verachtetes Kraut, ist aber unstreitig das erst und beste und häufigste Heilkraut. Der liebe Gott hat es an alle Wege gestreut, in alles Wiesen und Raine gesetzt und alle Klimas, damit du es stets bei der Hand habest. Verwendung findet der ganze Wegerich in all seinen Sorten mit Wurzel, Kraut, Blüte und Samen. Er reinigt wie kein zweites Kraut, Blut, Lunge und Magen, ist daher gut für alles die wenig oder schlechtes Blut, schwache Lungen, schwache Stimme, bleiches Aussehen haben, Ausschläge, Ruden, Flechten, Rufen produzieren oder ewig hüsteln, heiser sind, mager bleiben wie Geißen, selbst wenn man’s in Butter hineinstellen würde. Er hilft schwächlichen Kindern auf die immer, trotz guter Kost, zurückgeblieben ist weit wirksamer als Fischtran, diese Kinderqual und andere teure Geschichten".

(von Stieler Carmen)

Geschichte zum Wegerich

Erich der Spitze

Die drei Brüder am Weg

Am Wegrand wuchsen drei grüne Brüder. Alle hießen sie Erich – so etwas kommt unter Grünen häufiger vor. Erich der Spitze Der eine war rank und schlank gewachsen, reckte sich stets in die Höhe und verfügte über eine spitze Zunge. Stets gab er sich Mühe, die beiden anderen zu überflügeln. Der nächste war behäbig von Statur, ging ziemlich in die Breite. Ihm machte es gar nichts, wenn er vom Straßenstaub überzogen und mit Füßen getreten wurde. Oft grummelte er vor sich hin, wenn sein spitzer Bruder mal wieder allzu große Reden schwang, denn er hatte lieber seine Ruhe und guckte in die Weltgeschichte. Der mittlere schließlich galt als der Schönling unter den Dreien, akkurat ordnete er seine Blattkleider und pflegte seine Haare. Schüchtern war er, meistens traute er sich gegenüber den Brüdern kaum, das Wort zu ergreifen. Lange Zeit kamen die drei Erich-Brüder gut miteinander aus. Tagein, tagaus gingen sie ihrer Berufung nach, dem Wachsen und Gedeihen. Sie vertrugen sich und waren bald doch wieder unterschiedlicher Ansicht. Man kennt das ja gut von Geschwistern. Erich der Spitze hatte sich in den Kopf gesetzt, es zu etwas Höherem zu bringen und trieb seine beiden Brüder ständig an, mit ihm zu eifern. Anstrengen sollten sie sich, mühen und bemühen, danach trachten, eine steile Karriere einschlagen. Das gefiel Erich dem Breiten nun überhaupt nicht. Dazu genoss er sein beschauliches, ja fast eintöniges Leben ohne große Aufregungen viel zu sehr. Er legte sich lieber flach auf den Boden und träumte in den Tag hinein – ließ seine Gedanken in die weite Welt hinaus schweifen. Und Erich der Mittlere? In sich gekehrt ließ er die Brüder gewähren. In seinem Herzen brannte ein Feuer, das Feuer der Liebe. Wie gerne hätte er doch eine Freundin, ein Liebchen. Eines Tages hatte Erich der Spitze, wer denn sonst, eine grandiose Idee. Wenn wir uns sehr bemühen, rief er seinen beiden Brüdern zu, dann können wir doch besondere Stoffe herstellen, mit denen wir den Menschen einen außergewöhnlichen Genuss bereiten und ihre Gesundheit stärken. Also zu kulinarischen wie medizinischen Größen werden, von Sterneköchen heiß gerühmt, von Gourmets innig geliebt, von Ärzten und Kräuterweisen hoch gelobt. Gesagt, getan – Erich der Spitze begann, innerlich zu dünsten, zu kochen, zu brodeln, trieb seine inneren Kreisläufe an. Probeweise, sozusagen als amuse geule, ließ Erich der Spitze einen langen Stängel empor sprießen, an dessen Spitze ein braunschwarzes, spitzkegeliges Köpfchen. Tatsächlich kam bald ein Mensch des Weges entlang, entdeckte das Köpfchen, pflückte es ab, steckte es in den Mund, kaute – und hob erstaunt die Augenbrauen. Schmeckt ja wie Champignon, sagte der Mensch. Er nahm noch ein Blatt und legte es auf eine brennende Hautstelle. Welch Erleichterung, es schaffte sofort Linderung. Wie bei den Indianern und den Kräuterfrauen, meinte der Mensch, die wissen auch für alles eine Pflanze. Erich der Spitze war sehr stolz! Seine beiden Brüder aber fingen an zu glucksen. Pilzkopf, Rothautpflaster, Hexenkraut – hahaha. Wütend reckte Erich der Spitze seine Blätter hoch. Ihr dummen Erichs, rief er, euch ist doch überhaupt nichts gelungen. Du, Erich der Breite, bist ledrig und zäh, zu faul, um schmackhaften Saft in deine Blätter zu pumpen. Und Du, Erich der Mittlere, schlägst deine Blätter auf wie ein Pfau sein Rad, hüllst dich in Härchen

(von Karin Greiner)